Bezahlfernsehen : Der Himmel über Sky

Der Bezahlsender geht mit Ambitionen und Sorgen in die Bundesliga-Saison. Franz Beckenbauer macht trotzdem Stimmung - und hat dabei noch andere prominente Unterstützer an seiner Seite.

Mirko Weber

Wenn man in München-Unterföhring die neue Zentrale des Bezahlsenders Sky betritt, bleibt einem ein wenig die Luft weg: Größer geht es kaum. Sieht so ein Haus aus, das nach den Worten seines Chefs Brian Sullivan auch weiterhin Verluste schreiben wird? Zumindest dürften einige der 340 Millionen Euro hier verbaut worden sein, die der Hauptaktionär Rupert Murdoch zuletzt zugeschossen hat. Im vergangenen Jahr noch fand die Vorstellung des neuen Sky-Programms im Münchner Stadtteil Giesing statt, wo, anlassgemäß, Untergiesing gegen Obergiesing kickte. Es traten Journalistenteams unter jenen Klubnamen an, die der ehemalige Premiere- und jetzige Sky-Experte Franz Beckenbauer immer abwertend verwendet, wenn er ein besonders unterirdisches Spiel von wem auch immer kommentieren muss. Beckenbauer ist auch diesmal wieder schwer gefragt, als es in Unterföhring ums Stimmungmachen geht. Er tut sein Möglichstes, wenn er gleich zu Anfang der Veranstaltung ein i-Pad in den Händen balanciert, auf dem gerade die DFB-Pokal-Partie Germania Windeck gegen Bayern München läuft. Angeblich ist Beckenbauer ein Fan des neuen Tablet-PCs, und Sky bietet eine eigene Sport-App an.

Unterdessen ist der Sky-Sportchef Carsten Schmidt bemüht, einen zuversichtlichen Eindruck zu erwecken, hat aber vor seiner eigenen Präsentation gleich zwei Tiefschläge einstecken müssen. Zum einen hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit einer einzigen Bemerkung das Geschäftsmodell von Sky infrage gestellt: „Die haben den Fehler gemacht, die Leute zu Abos zwingen zu wollen.“ Andererseits verschickten die Constantin-Medien und Produzenten von „Liga Total!“ – also quasi die Konkurrenz zu Sky im Pay-TV – zwei Stunden vor dem Auftakt bei Sky eine Mitteilung: Die Telekom schalte für die Kunden ihres Internet-Fernseh-Programms „Entertain“ am Samstag die Übertragung frei.

Carsten Schmidt mochte nicht verhehlen, dass ihm „Liga total!“ auf die Nerven geht, bekannte aber auch, dass „Liga total!“ den Sender Sky „nicht am Wachsen hindern“ werde. Zudem hatte Schmidt in der Person von DFL-Geschäftsführer Tom Bender den leibhaftigen Garanten dafür an seiner Seite, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem Sender Sky dauerhaft den Rücken stärken will.

Obwohl die Zahl der Abonnenten noch immer nicht über 2,5 Millionen hinausgeht, plant die DFL mit Sky bis zum Ende der Rechteperiode 2013. Vom „Szenario eines eigenen Senders“ und „autonomem Bundesligafernsehen“, wie es dem Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Thomas Röttgermann, vorschwebt, mochte Bender nichts wissen. „In den letzten Jahren wurden alle Rechnungen von Sky pünktlich bezahlt. Ich gehe davon aus, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.“ Im schlimmsten Fall, dem Aus für Sky, hätte die Liga einen Notfallplan, wie andernorts zu hören ist. Ein eigener TV-Kanal wäre in weniger als zwölf Monaten aufzubauen. Viele Voraussetzungen sind bereits geschaffen, nur spricht die Liga darüber nicht gerne öffentlich.

Neben den bekannten Protagonisten Marcel Reif, Franz Beckenbauer, Matthias Sammer, Ottmar Hitzfeld, Stefan Effenberg und Lars Ricken hat Sky zumindest für die nächste Saison noch einen weiteren Experten verpflichtet, der bereits während der Fußballweltmeisterschaft auf Sky hospitierte: Jens Lehmann. In Südafrika habe sich der zurückgetretene Torwart „überraschend angenehm“ präsentiert, nun ergänzt er das Team. Allein von Freitag bis Sonntag will es Sky auf fast 28 Stunden Bundesligafußball bringen, neu ist die Konferenz der Zweiten Bundesliga am Samstag von 12 Uhr 30 an. Gesendet wird in „echtem“ HD, also hoch auflösendem Fernsehen, insgesamt angestrebt wird eine „livigere“ Atmosphäre, wie Schmidt betonte.

Alles andere wäre verwunderlich. Schließlich zahlt Sky von den 412 Millionen Euro für alle Bundesligavereine den Löwenanteil: 240 Millionen Euro kommen aus Unterföhring, wo der Himmel über Sky trotzdem dauerhaft bewölkt scheint. Am Ende ist die Beobachtung von Karl-Heinz Rummenigge wohl doch nicht ganz falsch, dass Deutschland das einzige große und fußballverrückte Land in Europa bleibt, in dem es nicht gelungen sei, Pay-TV zu etablieren, aller Experten zum Trotz. Franz Beckenbauer ließ es sich bei der Präsentation in Unterföhring denn auch nicht nehmen, seinen nach wie vor einmaligen analytischen Scharfblick zu demonstrieren. Auf die differenzierte Frage, wie er die österreichischen Spieler in der Bundesliga im Allgemeinen und David Alaba im Besonderen einschätze, antwortete er mit kaiserlicher Lakonie gnädig: „Ich mag ihn!“

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