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Böhmermann und das Erdogan-Gedicht : Jan Böhmermann kommt nicht zur Grimme-Preis-Verleihung

ZDF-Entertainer Jan Böhmermann fühlt sich zu "erschüttert", um den Grimme-Preis für seine Varoufakis-Satire entgegenzunehmen. Die Direktorin des Grimme-Instituts nimmt Böhmermann in Schutz.

Der Satiriker Jan Böhmermann hat seinen Auftritt bei der Verleihung des Grimme-Preises abgesagt.
Der Satiriker Jan Böhmermann hat seinen Auftritt bei der Verleihung des Grimme-Preises abgesagt.Foto: dpa/Jörg Carstensen

Der Satiriker und ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat seine Teilnahme an der Grimme-Preis-Verleihung am Freitagabend in Marl abgesagt. Das Grimme-Institut bestätigte das auf Anfrage. „Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe“, postete der 35-Jährige am Freitagmorgen auf Facebook. „Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können.“

Böhmermann bekam den Preis für seine Satire rund um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis bekommen. Derzeit hat er jedoch Ärger: Die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn und ZDF-Verantwortliche, weil Böhmermann sich in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ in einem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgelassen hatte. Unter anderem fiel der Begriff "Ziegenficker".

Tweet an Altmaier

Laut den "Spiegel" hat Böhmermann am vergangenen Sonntag Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) in der Debatte um das Erdogan-Gedicht um Beistand gebeten. "Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem das Erkunden der Grenze der Satire erlaubt, gewünscht und Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Debatte sein kann", schrieb Böhmermann demnach in einer privaten Twitter-Nachricht an Altmaier. Böhmermann habe nicht um Hilfe in seinem konkreten Fall gebeten, sondern um "Berücksichtigung meines künstlerischen Ansatzes und meiner Position, auch wenn er streitbar ist." Altmaier habe zurückgeschrieben, er werde sich melden, sobald er am Abend in Berlin sei.

Altmaier bestätigte den Zeitungen der Funke Mediengruppe die Kontaktaufnahme. Zu dem umstrittenen Gedicht sagte der Kanzleramtschef, Böhmermann habe selbst gesagt, dass seine Äußerungen über den türkischen Präsidenten als Schmähkritik zu verstehen seien, die in dieser Form gar nicht gestattet sei.


Am Folgenden Tag verkündete Regierungssprecher Steffen Seibert, dass Kanzlerin Angela Merkel sich in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu von Böhmermann distanziert habe. Altmaier verteidigte die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die den Beitrag in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu als "bewusst verletzend" bezeichnet hatte. Gerade die Kanzlerin habe keinen Nachholbedarf, "wenn es um das Eintreten für unsere Werte geht", sagte er.

Direktorin des Grimme-Instituts nimmt Böhmermann in Schutz

Die Direktorin des Grimme-Instituts, Frauke Gerlach, hat den wegen einer Satire in der Kritik stehenden ZDF-Moderator Jan Böhmermann in Schutz genommen. „Wir haben zu Recht ein Grundgesetz, das die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und die Kunstfreiheit schützt“, sagte sie am Freitagabend zu Beginn der Verleihung der Grimme-Fernsehpreise in Marl.

Die Grenze für Satire sei weit. „Es besorgt mich sehr, mit welcher Hitzigkeit die Debatte geführt wird. Ich würde mich freuen, wenn die ganze Debatte wieder versachlicht würde.“ Persönliche Anfeindungen könne man nicht tolerieren. „Das ist ein Signal, das wir hier geben wollen.“

Nach dem Schmähgedicht von Böhmermann hat das ZDF den Kontakt zur Türkei gesucht. "ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut hat am Montag mit dem türkischen Botschafter in Berlin telefoniert", teilte das ZDF am Freitag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Dabei habe er „sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Beitrag Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt hat“.

Das ZDF hatte den Beitrag der ZDFneo-Sendung „Neo Magazin Royale“ aus der vergangenen Woche in der Wiederholung im ZDF gestrichen. Auch in der Mediathek war er nicht mehr abrufbar. (dpa, Tsp)


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