Bundesliga-Medien-Rechte : Gibt es Live-Spiele für alle am Samstagabend?

Noch eine Woche bis zur Vergabe: Die heiße Phase der Auktion um die Fußball-Bundesliga-Rechte hat begonnen. Die große Frage: Gibt es Live-Spiele für alle am Samstagabend?

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Quotenhit: Matthias Opdenhövel moderiert die Samstags-"Sportschau".
Quotenhit: Matthias Opdenhövel moderiert die Samstags-"Sportschau".Foto: WDR/Willi Weber

Fußball und Krimi – dieser Mix passte am Sonntag für das Erste. Ab 17 Uhr 45 schalteten durchschnittlich 6,59 Millionen Zuschauer das Fußball-Testspiel zwischen Deutschland und der Slowakei ein. Der Marktanteil betrug 27,5 Prozent. Der verspätete Krimi „Polizeiruf 110: Endstation“ aus Magdeburg mit Claudia Michelsen und neuem Partner Matthias Matschke interessierte 7,58 Millionen Zuschauer. Der Sonntagabend-Krimi wird bleiben, aber um die Ware exklusiver Fußball muss die ARD mehr denn je kämpfen.

Nachdem RTL zuletzt die deutschen Quali-Spiele zwischen 2018 und 2022 weggeschnappt hat, richtet sich nun der Fokus auf die Bundesliga. Am Montag hat die heiße, letzte Auktionsphase um die Medienrechte der Fußball-Bundesliga begonnen. Bis zum 6. Juni, noch vor dem Start der Fußball-EM, will die Deutsche Fußball Liga (DFL) insgesamt 17 Rechtepakete für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 verkaufen.

Am Montag endeten die ersten Fristen zur Abgabe von Angeboten; nicht nur für die üblichen Verdächtigen Sky, ARD, ZDF, Sport 1 und RTL, sondern auch für global aufgestellte Medienplayer wie Amazon, Discovery (Eurosport) oder das Londoner Unternehmern Perform Group. Die Frage, ob die ARD ihre geliebte Samstags-„Sportschau“ mit der Highlight-Erstverwertung behält, steht im Blickpunkt.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat ein kompliziertes Konstrukt entwickelt, das noch mehr Geld in die Kassen spülen soll, nach Möglichkeit 1,5 Milliarde Euro pro Saison. Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich, nennt sich sequenzielle Ausschreibung. Die Auktion beginnt mit den Live-Rechten, die bisher schon rund 80 Prozent der jährlichen Einnahmen in Höhe von 663 Millionen Euro für die laufende und 673 Millionen Euro für die kommende Saison ausmachen.

In Großbritannien muss sich Sky die Spiele der Premier League mit der British Telecom teilen

Rechteinhaber Sky möchte natürlich weiter mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“ Abonnements verkaufen. „Wir verteidigen, was wir haben“, sagte Sky-Chef Carsten Schmidt. Konkurrenz kann es durch einen Kniff der DFL geben. Neu in der Ausschreibung ist, dass es nicht nur Pay-Pakete gibt, sondern auch einige Livespiele für Free TV angeboten werden. Tenor dabei: Das Samstagabend-Spiel soll künftig noch attraktiver besetzt werden. Die Pakete mit dem Samstagspiel um 18 Uhr 30 und den beiden Sonntagspartien können von Pay- und Free-TV-Anbietern gekauft werden.

Die Idee der DFL: Auch frei empfangbare Sender wie RTL bieten mit Sky um die Wette. Fußballfans könnten demnächst bis zu 90 Spiele ohne zusätzliche Zahlungen live sehen. Die große Hoffnung der DFL ist allerdings, dass Sky Konkurrenz durch Telekommunikationsunternehmen bekommt. Die Telekom hat zuletzt wieder in Sport investiert und Rechte für Basketball und Eishockey gekauft. Wie interessant und attraktiv Fußball für Unternehmen der Telekommunikationsbranche ist, zeigt der Blick über die Grenzen.

So ist in Spanien Telefónica am Ball, in Großbritannien muss sich Sky die Spiele der Premier League mit der British Telecom teilen. Solche Konzerne haben das Geld, um Sky auszustechen. Anschließend dürften sie an Sky Sub-Lizenzen für das klassische TV vergeben und selber über verschiedene Internetplattformen senden. Ein neuer Spieler beim Poker um die Bundesligarechte dürfte Discovery werden. Zumindest hat das US-Unternehmen mit der Tochterfirma Eurosport mehrfach Interesse bekundet. Es ist im Pay- und im Free-TV-Markt aktiv.

Dass es Discovery ernst meint, zeigte es 2015 mit dem Kauf der Olympia-Rechte für den europäischen Markt für 1,3 Milliarden Euro. Die DFL schweigt zu alldem, hofft auf neue Interessenten wie Amazon. Chef Jeff Bezos hat angedeutet, dass ein Rechteerwerb möglich wäre. Oder die englische Perform Group, die mit Internetportalen wie spox.com und goal.com aktiv ist.

Für die meisten Fans am wichtigsten aber sind die Highlight-Rechte, die von der DFL im zweiten Teil der Auktionsphase verkauft werden. Dabei geht es vor allem um das Paket, das die ARD für ihre „Sportschau“ benötigt. Als Konkurrent gilt RTL. Es sei denn, der Privatsender setzt auf die Live-Rechte, etwa für die Spiele am Samstag um 18 Uhr 30. „Sportschau“ und ein Livespiel als direkte Konkurrenz im frei empfangbaren Fernsehen – das hat es noch nie gegeben. (mit dpa)

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