Digitaler Radiergummi : "Verschlüsselung ist momentan der wirksamste Schutz"

Verbraucherschutzministerin Aigner stellt heute den "digitalen Radiergummi" für Bilder im Internet vor. Der Internetforscher Michael Backes hat die Verfallssoftware entwickelt und spricht darüber im Interview.

Digital radieren mit der X-pire-Software.
Digital radieren mit der X-pire-Software.Screenshot: Tsp

Herr Backes, heute stellen Sie mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner Ihr Programm X-pire vor, mit dem Daten im Internet ein Verfallsdatum erhalten. Warum brauchen wir das?

Die Hauptgefahr im Netz ist die große Sammelwut. Viele Internetdienste speichern heute eine große Menge Daten. Und immer mehr Menschen nutzen Dienste wie Facebook oder Wer-kennt- wen. Die Leute geben dort viele persönliche Informationen preis und stellen insbesondere private Bilder und Erlebnisse ins Netz, was nach Jahren unter Umständen zu Problemen führen kann.

Wie kann Ihr Programm helfen?
Wenn Sie ein Bild schützen wollen, ziehen sie es in die X-pire-Software und geben ein Verfallsdatum ein. Technisch gesehen wird es dann unkenntlich gemacht, also verschlüsselt. Niemand kann es ohne einen Schlüssel ansehen. Der Schlüssel wird auf einem vertrauenswürdigen Server hinterlegt. Wenn Sie das Bild auf Facebook oder einer anderen Seite hochladen und es dort aufgerufen wird, ist es ganz normal zu sehen – solange, bis das Verfallsdatum abgelaufen ist. Danach kann das Bild nicht mehr betrachtet werden. Von niemandem. Verschlüsselte Bilder können allerdings nur von Nutzern angesehen werden, die zuvor eine kleine, kostenlose Software herunterladen. Bis jetzt können mit X-pire auch nur Bilder verschlüsselt werden, in naher Zukunft bieten wir das Programm aber auch für alle anderen Dateien an.

Momentan bieten Sie auf der Seite www.x-pire.de den Prototypen kostenlos an. Wird sich das ändern?
Die Software selbst wird kostenpflichtig sein. Ohne diese Einnahmen lässt sich die kommerzielle Entwicklung einer Software im Rahmen eines Universitätsbudgets einfach nicht machen. Es wird daher zwei Bezahlmodelle geben. Man kann eine Flatrate für rund zehn Euro im Monat kaufen oder bildbasiert bezahlen. 20 bis 30 Bilder kosten dann ebenfalls etwa zehn Euro.

Bilder, die entschlüsselt abgerufen werden, können aber trotzdem heruntergeladen und danach ohne die Verschlüsselung wieder hochgeladen werden, oder?
Das ist richtig. Die Frage ist aber, was technologisch möglich ist und das sollte man versuchen zu erreichen, sofern es Sinn macht. Dass Dateien kopiert und wieder online gestellt werden, ist nicht zu verhindern. In der Regel wird dies aber die Ausnahme bleiben. Wenn vor Ablauf des Verfallsdatums nichts böswillig mit dem Bild geschieht, ist eine Verschlüsselung momentan der wirksamste Schutz. Wichtig ist, dass man aktiv wird, wenn man Inhalte ins Netz stellt. Wer dies unbedacht tut, hat die Kontrolle über seine Daten bereits aufgegeben.

Michael Backes ist Professor für Informationssicherheit und Kryptografie in Saarbrücken. Das Gespräch führte Thorsten Scheimann.

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