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Doktortitel : VroniPlag-Gründer lädt zur Plagiatsjagd

08.02.2013 17:13 Uhrvon
Martin Heidingsfelder will Doktorarbeiten von Politiker überprüfen. Foto: dpaBild vergrößern
Martin Heidingsfelder will Doktorarbeiten von Politiker überprüfen. - Foto: dpa

Martin Heidingsfelder, Gründer von "VroniPlag", überprüft Doktorarbeiten von Politikern. Jetzt hat er zur Bundestagswahl ein "Plagiatometer" gestartet, auf der jeder die Abschlussarbeiten seines Abgeordneten testen lassen kann - gegen ein Mindestgebot.

Nun könnte es noch einmal ernst werden für alle Politiker, die plagiiert haben. Martin Heidingsfelder, Gründer der Enthüllungsplattform "VroniPlag", will die Plagiatsjagd ausweiten: "Doktorarbeiten sollen nicht mehr nur dokumentiert, sondern auch kommentiert werden", sagt er gegenüber dem Tagesspiegel. Dafür hat eine neue Plattform erstellt, die über die Arbeit von VroniPlag hinausgeht: "PolitPlag".

Es hätte ihn verärgert, dass der Plagiatsfall der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nicht auf der Seite von VroniPlag erschien und VroniPlag keine politische Position bezogen hat. Bei jeder Doktorarbeit müsse kommentiert werden, ob es sich um ein "schweres oder leichtes Plagiat" handelt, so Heidingsfelder. Andererseits würden Fälle, die medial nicht für Aufsehen sorgen, untergehen und die möglichen Betrüger würden ihre Titel weiter behalten. Mehrere Beispiele führt Heidingsfelder dafür an, unter anderem auch den Bürgermeister von Forst, Dr. Jürgen Goldschmidt.Ihm wurde der Doktortitel nicht entzogen, obwohl Goldschmidts Doktorarbeit für Heidingsfelder ein klarer Plagiatsfall gewesen sei.

Ende Januar ging PolitPlag online und damit rechtzeitig zur Bundestagswahl. Das sei kein Zufall gewesen, sagt Heidingsfelder. Politiker, die ein öffentliches Amt anstreben, werben mit ihrem Doktortitel, der ihnen einen "Vertrauens- und Kompetenzvorschuss" gewährt. Deshalb müsse ein Doktortitel ordentlich erlangt sein, so der Plagiatsjäger. Heidingsfelder selbst ist Pirat und will in den bayrischen Landtag einziehen. Das sei aber kein Widerspruch: "Wäre ein Pirat Forschungsminister und hätte ein Plagiat, dann würde ich auch dessen Rücktritt fordern", so Heidingsfelder.

Ulf Posé vom Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V., der wirtschaftliche Ziele und soziales Verhalten miteinander vereinbaren will, hat sich mit Plagiatsenthüllungen beschäftigt. Auf Anchfrage vom Tagesspiegel, sagte er, er sehe keinen Interessenkonflikt, wenn Politiker anderen Politikern auf der Spur sind. Wichtiger seien die wissenschaftlichen Beweggründe, die hinter einer Enthüllungsarbeit stehen - und mit welcher Kompetenz der "selbsternannte Prüfer" arbeitet.

Der "Prüfer", Heidingsfelder, betont, zwei Professoren im Team zu haben. Das garantiere Neutralität und Unparteilichkeit der Plagiatsenthüllungen.

Für das Wahljahr 2013 wollen Heidingsfelder und sein Team nun mit dem PolitPlag ein "Plagiatometer" starten: Ab 20 Euro können sich Interessierte einkaufen und die Arbeit ihrer Abgeordneten überprüfen lassen. Welche Doktorarbeiten aber tatsächlich unter die Lupe genommen werden, ist dann vom Geld und von Kapazitäten abhängig. Ein einzelner Käufer könne auch die vollen Kosten übernehmen und die Überprüfung einer bestimmten Arbeit in Auftrag geben - je mehr Aufwand notwendig ist, desto teuerer ist dann der Preis. Auf etwa "100 Arbeiten im Jahr" schätzt Heidingsfelder das Volumen, das PolitPlag schaffen kann.

Dass die Überprüfung zur Geldsache wird, könnte ein "ethisches Geschmäckle" haben, sagt Posé vom Ethikverband. Müsse es aber nicht. Auch hier sei zunächst die Absicht ausschlaggebend - und Geld verdienen sei zunächst nicht unethisch.

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