Siri sagt : Warum die Apple-Sprachsoftware nicht nur Geeks fasziniert

Das neue iPhone 4S spricht. Der Sprachassistent Siri hat zwar noch seine Schwächen, die Apple-Fangemeinde ist trotzdem begeistert. Wie intelligent ist das Smartphone wirklich? Zwei Forscher geben unterschiedliche Antworten.

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Siri, die neue Sprachassistentin im iPhone versteht ihren Besitzer. Sie kann auf Befehl Termine planen, Nachrichten verschicken, das Wetter voraussagen und vieles mehr. Das verspricht zumindest der Werbeclip. In der deutschen Version enttäuscht das Programm aber zunächst. In dieser Bilderstrecke sehen Sie, warum. Wir haben Siri mit einigen kniffligen Fragen konfrontiert. Wo sie herkommt, weiß Siri...Weitere Bilder anzeigen
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07.12.2011 17:24Siri, die neue Sprachassistentin im iPhone versteht ihren Besitzer. Sie kann auf Befehl Termine planen, Nachrichten verschicken,...

Science-Fiction-Autoren zeichnen mal mehr, mal weniger plausible, mal mehr, mal weniger wünschenswerte Visionen von der Zukunft. In einem Punkt scheinen sich die Vertreter dieses Genres aber einig zu sein: In der Zukunft werden Menschen mit Maschinen kommunizieren wie mit Menschen. Ob Haushaltsgerät oder Raumschiff – in der Vorstellung der Visionäre empfangen die Geräte ihre Anweisungen über das effektivste aller Informationsübertragungsmedien: die menschliche Stimme. Die ästhetische Analogie zu diesem Menschheitstraum von der Mensch-Maschine-Kommunikation als einer Mensch-zu-Mensch-Kommunikation begegnet uns in Gestalt des Androiden, einem menschenähnlichen Roboter.

Warum strebt der Mensch so sehr danach, die Maschinen zum Reden zu bringen? – Kein Mittel der Informationsübertragung ist so intuitiv und effektiv wie die gesprochene Sprache. Wären Maschinen in der Lage, menschliche Sprache einwandfrei zu verstehen und zu interpretieren, müsste niemand mehr Bedienungsanleitungen tüfteln oder Computerkurse belegen. Der Mensch müsste nichts mehr können. Er müsste nur noch wollen.

An der Universität Bielefeld beschäftigen sich Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen mit der Erforschung und Entwicklung solcher sprachgesteuerter und wissensbasierter Systeme, besser bekannt als Künstliche Intelligenzen (KI). Mit einer Mischung aus persönlichem und professionellem Interesse beobachten Ipke Wachsmuth, Leiter des Fachbereichs Künstliche Intelligenz, und Computerlinguist David Schlangen, wie sich im Herbst 2012 ein Wendepunkt auf dem Gebiet der Sprachtechnologie abzeichnet. Die Rede ist von Apple und von Siri, dem Sprachassistenten auf dem neuen iPhone 4S. Siri kann hören und verstehen. Es kann auf Zuruf Nachrichten verschicken, Anrufe tätigen, den Wecker stellen, Termine planen. Und es beantwortet Fragen. Siri weiß, wie das Wetter wird, welche Termine anstehen und wo es lang geht. Der persönliche Assistent im Smartphone ist geduldig, allzeit bereit und absolut humorlos – charakterlich also ein Android wie er im Drehbuche steht.

An der Uni Bielefeld zeigen sich die Forscher und Ingenieure beeindruckt von dem persönlichen Assistenten. KI-Forscher Ipke Wachsmuth sieht in Siri gar einen „Meilenstein der Sprachtechnologie“. Wer schon mal das Vergnügen mit Siri hatte, wird an diesem Punkt stutzig werden. Solche Loblieder ist man sonst nur von den Apple-Jüngern gewohnt. Um die Begeisterung der Experten zu verstehen, muss man aber etwas weiter ausholen.

Zunächst einmal besteht die Leistung Apples nicht in der Technologie an sich. Neu ist lediglich die Integration in ein beliebtes Alltagsgerät. Das ist nur möglich, weil die Analyse der Spracheingabe nicht auf dem iPhone selbst stattfindet. Eine solche Rechenleistung könnte das kleine Gerät niemals vollbringen, glaubt Wachsmuth. Siri sendet die Nutzeranfragen an einen Webserver, nutzt also dessen Ressourcen. Eine clevere Lösung und in dieser Kombination einmalig, meint Wachsmuth.

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