Virenschutz bei Smartphones : Hacker in meinem Handy

Schadsoftware, Hackerattacken, Spy-Apps: Auch Smartphones sind nur kleine Computer. Und als solche nicht minder anfällig. Vor allem Googles Betriebssystem Android ist gefährdet. Doch es gibt Wege, Smartphone und Tablet sicher zu machen.

von
Apple bietet Sicherheit per Fingerabdruck. Doch was schützt das Smartphone im Inneren?
Apple bietet Sicherheit per Fingerabdruck. Doch was schützt das Smartphone im Inneren?Foto: dpa

Einige Warnungen sollte man beachten, andere tunlichst ignorieren. Letzteres gilt zum Beispiel, wenn auf einem Androidsmartphone oder einem Tablet mit Googles Betriebssystem beim Surfen im Internet plötzlich die Meldung „WARNING, Battery is to heat, protect it NOW“ erscheint. Denn mit einer überhitzten Batterie hat diese Pop-up-Meldung nun gar nichts zu tun. Genauso wenig wie die Meldung, der Appstore sollte unverzüglich aktualisiert werden oder ein kompletter Virenscan sei nötig. Denn wenn man diesen Aufforderungen Rechnung trägt und auf den O.k.-Button klickt, wird man im Google-Appstore zu Seiten gelenkt, auf denen zur Installation eines neuen Appstores aufgefordert wird. Dort werden allerdings selbst für sonst kostenlose Apps happige Gebühren verlangt. Bösartige Software wie diese gibt es zuhauf. Täglich kommen für Android 6000 neue Malware-Varianten hinzu, sagt Andreas Marx vom Magdeburger AV-Test-Labor.

Die unabhängige Einrichtung hat sich auf die Analyse von Antivirensoftware spezialisiert. AV-Test unterstützt diverse IT-Fachzeitschriften bei der Erstellung von Testberichten über Internetsicherheitssoftware. Und immer häufiger beschäftigen sich die Tester mit Android, Apples iOS und Windows Phone.

Wer sein Smartphone schützen will, braucht gesundes Misstrauen

Auch wenn aktuelle Smartphones und Tablets klein und leicht sind, darf nicht vergessen werden, dass es sich um Computer handelt, auf denen Programme installiert und mit denen Daten verarbeitet werden. Und die anfällig sind für Virenangriffe, Hackerattacken, und allzu neugierige Apps, warnt Andreas Marx. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei der Bedrohungslage. Einige Bedrohungen existieren unabhängig vom Betriebssystem: Auf 10000 betrügerischen Internetseiten wird versucht, den Nutzern Passwörter oder Kreditkarteninformationen abzuluchsen. Die große Gefahr dabei: Weil es sich bei diesen Phishing-Webseiten nicht im eigentlichen Sinn um Schadsoftware handelt, können diese Attacken nicht von Virenscannern erkannt werden. Hier hilft weiterhin nur das gesunde Misstrauen, wenn man aufgefordert wird, persönliche Daten preiszugeben.

Interessant wird es, wenn man sich die einzelnen Betriebssysteme anschaut. Für iPhones und iPads sowie für Windows Phones und Blackberrys gibt es derzeit weniger als zehn spezifische Schadprogramme. Das liegt zum einen daran, dass Apps für diese Plattformen äußerst restriktiv geprüft werden, bevor sie in die Stores gelangen. Zum anderen spielt die Architektur der Betriebssysteme selbst eine große Rolle dabei, dass diese Plattform für Virenschreiber weniger interessant sind. So laufen die Programme und Prozesse bei Apples iOS in einer sogenannten Sandbox. Dabei handelt es sich um einen komplett abgegrenzten Bereich, so dass es einer Schadsoftware so gut wie unmöglich ist, von dort auf andere Apps zuzugreifen.

Im Grundsatz gelten solche Sicherheitsvorkehrungen auch für das Androidsystem, das mit einer Vielzahl von Geräten inzwischen den mobilen Gerätemarkt dominiert. Wie zuvor Windows ist damit Android im Mobilsektor zur bevorzugten Zielscheibe von Attacken geworden, wissen die Antivirenexperten. Von den offiziellen Appstores, also von Google Play und dem Amazon Store, gehen dabei jedoch nur selten Gefahren aus, sagt Andreas Marx. Auch dort werden Apps geprüft und bösartige Apps relativ schnell ausgesondert.

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben