• "Dritter Stock links" in der ARD: Die Kabarett-WG – nicht mal eine Kalauer-Kaschemme

"Dritter Stock links" in der ARD : Die Kabarett-WG – nicht mal eine Kalauer-Kaschemme

Die PR-Ankündigung für die Satire-Sendung "Dritter Stock links" klingt vielversprechend. Was die ARD dann aber sendet, ist nicht mehr als langweiliges Bühnen-Kabarett. In welchem Paralleluniversum ist das wirklich komisch?

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Mit Maike Kühl vom Düsseldorfer Kommödchen und dem Münchner Hannes Ringlstetter nimmt Sebastian Pufpaff, 38 (v. l.), aktuelle Themen wie Pegida aufs Korn.
Mit Maike Kühl vom Düsseldorfer Kommödchen und dem Münchner Hannes Ringlstetter nimmt Sebastian Pufpaff, 38 (v. l.), aktuelle...Foto: BR

Sebastian mit Nazi-Uniform und Fußballpuschen, mitten im WG-Wohnzimmer. Hannes kniet vor ihm, weil der Reißverschluss der Uniform klemmt. Maxi drückt von hinten dagegen. Wie zu seligen Willy Millowitsch-Zeiten kommen plötzlich Christian und Petra herein. Erstarren. Das Studiopublikum kreischt. Schaukelt sich zum orgiastischen Lach-Orgasmus-Höhepunkt hoch. Dann die Schlusspointe, ein müder verbaler Gag „Das ist das Cover-Photo für einen neuen PEGIDA-Song“– frenetischer Applaus. 45 Minuten Comedy und Satire im Ersten vorbei. "Dritter Stock links" überstanden. Hurra!

Der Kritiker lebt noch. ZDF-Satire-Sendungen wie "Die Anstalt" oder "Heute-Show" bieten nicht einfach nur langweiliges Bühnen-Kabarett. Der Inhalt wird in Spielform dargeboten. Schauplatz der "Anstalt" eine Irrenhaus, die "Heute-Show" ist als Nachrichtensendung aufgebaut. Weil das quotentechnisch gut läuft, weil die ARD dem ZDF gute Quoten nicht gönnt, weil Nachrichtenstudio und Anstalt als Schauplatz schon vergeben sind, gab's beim Ersten sicher ausgedehnte und brainstorming-intensive Marathon-Sitzungen. Das geniale Ergebnis – warum findet so eine Kabarett-Sendung nicht mal in einer WG statt. Sebastian Pufpaff spielt den linken, kritischen, scharfen Kabarettist Sebastian Pufpaff. Maike Kühl, Star des Düsseldorfer Ko(m)ödchens, ist in der Sendung seine Frau und eine Referentin auf Karriere-Kurs. Der Dritte - Hannes Ringlstetter, Kabarettist und Musiker aus München. Er spielt Kühls Halbbruder, von seiner Frau wegen Untreue rausgeschmissen und in der WG untergeschlüpft. Die Spielszenen werden von Fake-Interviews unterbrochen, die die Kabarettisten in ihren Rollen geben.

Jetzt reicht's mit den Gutheiten

Das erinnert an Stromberg. Nur dort waren die einzelnen Sendungen als Doku aufgebaut. Und da hatten die Interviews dann auch einen Stellenwert. Lieferten eine weitere Komik-Ebene. Hier bei der Kabarett-WG sind sie formal sinnlos und inhaltlich witzlos. So weit, so gut? Gut, das die ARD mal was anderes ausprobiert. Gut, das die ARD mal andere Kabarettisten vor die Kamera holt. Dann reicht's aber auch schon mit den Gutheiten. Wenn schon Kabarettisten WG-Bewohner darstellen müssen, dann sollten die schauspielerischen Fähigkeiten etwas über der einer Amateur-Laienbühne liegen. Ob was witzig ist, hängt von der Idee ab. Wie neu die Idee ist. Und wie die Idee dargeboten wird. Hannes mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck "JE SUIS HANNES". Das ist alles, nur kein Brüller.

Die Dialoge zwischen den Dreien – so kunstvoll, lebensecht und ausdrucksstark wie bei einer Schüleraufführung von Schmierentheaterdirektor Emanuel Striese. „Guten Morgen liebe Schwester. Dein Handy ist noch beim Gerd.“ „Schröder?“ „Nein beim Gerd vom Café Kaputt.“ „Was ist das für ein komischer Name?“ „Gerd halt.“ „Nein Kaputt.“ „Das ist eine Absturzkneipe hier in Berlin. Da war ich gestern.“ „Aha, ich wusste gar nicht das mein Handy trinkt.“ In welchem Paralleluniversum ist das wirklich komisch? Früher kam das laute Lachen vom Band. Heutzutage wird vor Publikum gespielt. Die Anwesenden wurden vor Aufzeichnung sicher eindringlich und mit vollgeladenem Maschinengewehr aufgefordert, über alles, aber wirklich alles zu lachen. Auf der ARD-Internet-Seite steht folgendes PR-Geschwafel: „In 'Dritter Stock links" trifft messerscharfes Politkabarett auf Comedy und Sitcom, Leidenschaft auf verkifftes Phlegma, Analyse auf pure Emotion.“ Vielleicht hätte man lieber den PR-Text verfilmen sollen. Die Kabarett-WG – nicht mal eine Kalauer-Kaschemme.

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