Medien : Eine Mutter wehrt sich gegen Neonazis

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Es geschieht in einer gutbürgerlichen Gegend, im Westteil Berlins, der angeblich weniger Probleme mit Rechtsextremismus hat als „der Osten“. Neonazis terrorisieren eine Familie, werfen am Wohnhaus Scheiben ein, beschädigen die Wohnungstür – weil die Mutter es wagte, sich gegen Wahlwerbung der NPD zu verwahren, die drei Rechtsextremisten in die Briefkästen steckten. Das war im September 2011. Seitdem lebt die Familie Schott in der Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz in Angst. Doch Mutter Christiane setzt sich zur Wehr.

Was der RBB am Dienstagabend zeigt, ist ein beklemmendes Stück deutscher Realität, unterhalb der Schwelle zu den Morden der Terrorzelle NSU – und doch eine Vorstufe. Die Reporter Jo Goll und Torsten Mandalka haben monatelang recherchiert, wie in Berlin ein NPD-Neonazi-Mob Schrecken verbreitet. Als Hauptfiguren stehen sich Christiane Schott und der Chef der Berliner NPD, Sebastian Schmidtke, gegenüber. Schott berichtet, erst anonym, über ihre Angst, dann wird sie mutiger, tritt vor die Kamera, traut sich sogar, Schmidtke bei einer rechtsextremen Kundgebung anzusprechen. Der NPD-Mann versucht, cool zu bleiben. Zu den Angriffen auf Schotts Wohnhaus meint Schmidtke, „ich hoffe nicht, dass es NPD-Mitglieder waren in irgendeiner Weise“. Zuvor hat er Jo Goll im Interview den makaberen Spruch serviert, er wolle sich bei der Dame „aller Herzens tiefst“ entschuldigen.

Der Film, der auch weitere Angriffe Berliner Neonazis aus vergangenen Jahren dokumentiert, ist ein Beispiel für insistierende Berichterstattung über Rechtsextremismus und die Reaktion der Zivilgesellschaft. Christiane Schott steht erst alleine, dann steckt sie mit ihrem Mut Nachbarn an, den Einbruch der Neonazis in einen friedlichen Alltag nicht hinzunehmen. Zuletzt versammeln sich in der Hufeisensiedlung 500 Menschen und bilden eine Lichterkette. Gegen Schmidtke und Kumpane ermittelt die Staatsanwaltschaft. Frank Jansen

„Terror im Kiez“, RBB, 20 Uhr 15

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