Einschaltquoten : Trump-TV unterliegt der Obama-Show

5,5 Millionen Zuschauer verfolgen Inauguration des neuen Präsidenten Trump – bei der Amtseinführung von Barack Obama 2009 waren es zehn Millionen.

Trump-TV interessiert offensichtlich weniger TV-Zuschauer als die vorherige Obama-Show
Trump-TV interessiert offensichtlich weniger TV-Zuschauer als die vorherige Obama-ShowFoto: dpa

Das wird schwer für Donald Trump als Germany’s Darling. Die Rolle ist mit Barack Obama bestens und auf (un-)absehbare Zeit besetzt. Das lässt sich auch mit den Einschaltquoten im deutschen Fernsehen während ihrer beider Inauguration als US-Präsident belegen. Daten-Analyst Jens Schröder hat für den Branchendienst meedia die entsprechenden Zahlen recherchiert und addiert. Danach verfolgten die Amtseinführung von Barack Obama 2009 über alle live berichtenden deutschen Sender hinweg fast zehn Millionen Zuschauer, Donald Trump kam auf 5,5 Millionen Zuschauer. Es zeigt sich: Bei Barack Obama schaltete das TV-Publikum ein, weil es Obama sehen wollte, da schwangen Zuneigung, Sympathie und Empathie mit. Das wird beim Trump-TV sehr viel weniger der Einschaltimpuls gewesen sein, der neue US-Präsident wurde via Live-Übertragung sicher aus der Neugier und dem Interesse heraus verfolgt, wie sich der „Imperator“ bei seiner Inauguration und seiner ersten Rede als Präsident denn so geben werde.

Die Sender, die für Trumps Amtseinführung das Regelprogramm dreingaben, müssen nicht enttäuscht sein. Das Erste, 2009 noch mit 5,08 Millionen Zuschauern belohnt, konnte während der Trump-Übertragung zwischen 17 Uhr und 18 Uhr 50 im Schnitt 3,57 Millionen interessieren; das ZDF, das dieses Mal auf ein Live-Programm verzichtete (bei Obama 2009 waren es 4,05 Millionen gewesen), hatte mit einem „Spezial“ im Anschluss an die „heute“-Nachrichten um 19 Uhr 4,15 Millionen Zuschauer. Die Trump-Programmierung hat sich für die öffentlich-rechtlichen Sender durchaus gelohnt, auch deswegen, weil sich im Vergleich mit dem ARD- und ZDF-Alltag überdurchschnittlich viele junge Zuschauer zuschalteten. Und das Trump-TV hielt sich auch dann wacker, wenn man die Zahlen für die Unterhaltung in der Primetime betrachtet: „Der Staatsanwalt“ im Zweiten holte den Tagessieg mit 5,94 Millionen und schlug damit – Sensation! – die Übertragung der Bundesligapartie Freiburg gegen Bayern mit 5,59 Millionen Zuschauern.

Erfolg für Nachrichtensender

Zu den Trump-Quoten im öffentlich-rechtlichen Sektor kamen laut meedia rund 650 000 Zuschauer bei n-tv, zwischen 420 000 und 520 000 bei N24 und zeitweise mehr als 700 000 bei Phoenix. Überhaupt konnten die privaten Nachrichtensender und der öffentlich-rechtliche Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix am Freitag überdurchschnittliche Aufmerksamkeit verbuchen. Sie konzentrierten sich eben nicht allein auf den Höhepunkt am Kapitol, sondern breiteten diese Mischung aus Volksfest und höfischem Zeremoniell, was die Inauguration des neuen US-Präsidenten nun einmal ist, in voller Länge und Breite aus. Allein Phoenix widmete dem Ereignis zehn volle Sendestunden.

Was hier wie auch in den übrigen Sendungen im deutschen Fernsehen auszumachen war: einerseits die Sucht und Sehnsucht der Reporter und Moderatoren, der Kommentatoren und Experten, jedes Bild zuzutexten. Es scheint ein tief sitzendes Misstrauen gegenüber dem Publikum zu geben, ein Unbehagen daran, dass die Zuschauer möglicherweise eigene Eindrücke sammeln respektive sich eine eigene Meinung bilden könnten. Und der Grundton war in der Regel alarmiert bis alarmistisch.

Schaut mehr CNN und BBC World

Wer sich zutraute, CNN und BBC World, den amerikanischen und den britischen Nachrichtenkanal, zu verfolgen, bekam weitere Information und gewann weitere Einsichten. Die CNN-Journalisten sind eben in der Lage, beim Einlaufen der politischen Elite auf der Kapitol-Tribüne Personen und Prominente zu erkennen und mit der jeweiligen Biografie zu versehen. Wer begrüßt wen, wem schüttelt der scheidende Präsident Obama die Hand, das sagte viel über die politischen Lager und dergleichen aus. BBC World hatte die prima Idee, während der anschließenden Parade verschiedene Trump-Anhänger vors Mikrofon zu holen, in der Regel „ordinary people“. Leute aus den (ländlichen) Regionen, die sich als Verlierer der Obama-Jahre sehen, Menschen, die sich von dem „Businessman“ Trump eine bessere Zukunft versprechen. Manches klang, zugegeben, naiv und schlicht, egal, in all dem Rauschen der Experten, der Kundigen, der alles wissenden Journalisten war es ein Gewinn, die Wählerin, den Wähler, den „average American“, den Durchschnittsamerikaner zu hören. Und keineswegs war dessen Welt-Trump-Bild geschlossen. Der Betreiber einer Autowerkstatt in Tennessee sagte, die Twitterei von Donald Trump sei nicht eben präsidial – „but I like to read it“.

Ein US-Präsident Donald Trump wird die Medien, insbesondere das Fernsehen, sehr beschäftigen, wenn nicht in Atem halten. Denn eines ist er nicht: auserzählt. Das Trump-TV geht in den Regelbetrieb. Joachim Huber

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