Erfolgreiches Fernsehen : Margot und Muammar

Die Dokumentationen über Honecker in der ARD und über Gaddafi auf RTL stießen am Montagabend auf großer Interesse bei den Zuschauern. Die Programmmacher sollten darin ein Signal erkennen.

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Auf großes Interesse bei den Zuschauern stieß die ARD-Dokumentation über Margot Honecker am Montagabend.
Auf großes Interesse bei den Zuschauern stieß die ARD-Dokumentation über Margot Honecker am Montagabend.Foto: NDR

Manchmal wirken die Programmmacher auf sympathische Weise fassungslos. Die ARD konnte am Montag mit „Der Sturz – Honeckers Ende“ die sehr gute Quote von 4,20 Millionen Zuschauern und einen Marktanteil von 13,5 Prozent einfahren; besonders erfolgreich in Honeckers früherem Sperrbezirk, in den neuen Bundesländern inklusive Berlin. Der Privatsender RTL interessierte mit „Das Doppelleben des Diktators“ Muammar al Gaddafi 3,23 Millionen (Marktanteil 12,0 Prozent). Beide Sendungen konnten sich in der Quoten-Spitzengruppe platzieren. Beide Beiträge liefen zu attraktiven Zeiten, der ARD-Film startete um 21 Uhr, jener von RTL um 22 Uhr 15. „Der Sturz“ war eine Dokumentation von Eric Friedler, „Das Doppelleben“ eine Reportage von RTL-Chefkorrespondentin Antonia Rados.

Dokumentation und Reportage gelten in den Lehrbüchern der Programmmacher als hochriskant in der Primetime des Fernsehabends, und es liegt wenig Trost darin, dass diese Annahme bei den privaten Sendern deutlicher ausgeprägt ist als bei den öffentlich-rechtlichen. Es dominiert die Unterhaltung, es dominieren Fiktion und Show und Talk, die Nachrichten- und andere Magazine umspülen, weichspülen. Die Primetime bietet wenig Realfernsehen mit wirklichen Menschen, permanent wird Leben medientauglich zugerichtet auf Schicksals-, Spannungs- und Sensationsträchtigkeit.

Gewiss, Leben und letzte Jahre von Erich Honecker in der Dokumentation von Eric Friedler und in Interpretation seiner Witwe, der trotzigen DDR-Stalinistin Margot Honecker, sind kein alltäglicher Stoff, so wenig wie die Vergewaltigungsorgien des libyschen Alleinherrschers Gaddafi. Das sind herausgehobene, herausgestellte Sujets – Diktatorenfernsehen eben.

Wenn aber beinahe 7,5 Millionen Zuschauer hier und nicht irgendwo anders einschalten, dann stecken da ein Triumph der Dokumentaristen und ein Signal an die Programmmacher drin. Das Publikum ist bereit, sofern Thema und Machart stimmen, aus dem Berieselungs- in den Beobachtungsmodus zu wechseln. Dieses Fernsehen ist ihm zuzumuten. Nicht bei Phoenix, nicht bei Arte, sondern in der ARD und bei RTL. Bange Frage: Muten sich die Programmmacher Mut und Zumutung auch künftig zu?

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