Fall Augstein : Nach Broders Abschied: Ulrich Wickert wirft RBB Zensur vor

07.01.2013 09:42 Uhrvon
Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert wirft dem RBB Zensur und Mutlosigkeit vor. Foto: dpa
Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert wirft dem RBB Zensur und Mutlosigkeit vor. - Foto: dpa

Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert wirft dem Rundfunk Berlin-Brandenburg Zensur vor, weil Radio Eins am Freitag eine Kolumne von Henry M. Broder ausfallen lassen wollte. Einmalig, wohlgemerkt. Der RBB nennt Wickerts Kritik "leichtfertig".

Nach dem Wirbel um Henryk M. Broders Abschied vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), meldet sich nun auch Ex-„Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert zu Wort. Er wirft dem Sender in der „Bild am Sonntag“ „Zensur aus Mutlosigkeit“ vor. Broder habe mit seiner Radio-Eins-Kolumne nicht mehr auf Sendung gehen dürfen, weil er Jakob Augstein einen Antisemiten genannt habe. Stattdessen sei in der Sendung am Freitag ein Antisemitismus-Experte interviewt worden.

Tatsächlich: Henryk M. Broders Kolumne sollte am Freitag ausfallen, einmalig, so der RBB, um mit dem Antisemtismus-Experten Julius H. Schoeps über die Vorwürfe gegen Augstein zu sprechen.

Der Publizist und Verleger war vom amerikanischen Simon-Wiesenthal-Zentrum in die Liste der zehn schlimmsten Antisemiten weltweit aufgenommen worden. Das Zentrum hatte diese Entscheidung unter anderem mit Aussagen von Henryk M. Broder begründet, der Augstein als "lupenreinen Antisemiten" bezeichnet hatte.

"Für Broder ist offenbar ein Antisemit, wer sich abfällig über Israel äußert. Das halte ich für Quatsch. Aber ihn deswegen aus dem Programm zu streichen, das nenne ich Zensur. Meinetswegen: Selbstzensur. Da betätigt jemand die Schere im eigenen Kopf", schreibt Wickert in der "Bild am Sonntag".

Broder selbst hat nie von Zensur gesprochen. Er bewertete den Ausfall seiner Radio-Eins-Kolumne als „illoyal und sachlich durch nichts zu rechtfertigen“, deshalb trenne er sich von dem Sender, schrieb er am Donnerstagabend auf Welt.de.

RBB-Sprecher Volker Schreck weist Wickerts Vorwurf der Zensur deshalb zurück: „Broder hat sich selbst entschieden, zu gehen, und wir akzeptieren diese Entscheidung.“ Dazu ärgere ihn Wickerts Wortwahl. Der Begriff Zensur sei „leichtfertig“ gewählt und „ein Schlag ins Gesicht für all die Menschen, die tatsächlich unter Zensur zu leiden haben.“

Umfrage

Der Springer-Verlag will vor der Bundestagswahl erneut an alle Haushalte in Deutschland ein Gratisexemplar der BILD verteilen. Wie reagieren Sie?

Service

Empfehlungen bei Facebook

Im Netzwerk: Für Unternehmen und Freiberufler wird Social Media immer wichtiger. Foto: dpa

Social Media, Vernetzung und Reichweite – wie die sozialen Netzwerke unser Leben verändern.

Social Media

Weitere Themen

Tagesspiegel Abonnement

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien.


Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

E-Paper - Lesen Sie den Tagesspiegel digital.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Tagesspiegel App - für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
Diskutieren Sie mit!

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite