Fußball-Übertragung bei RTL : Guter Vorgeschmack beim Audi-Cup

Der Kölner Privatsender RTL hat sich die Exklusivrechte an den Qualifikationsspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesichert. Mit der Übertragung des Audi-Cups lief er sich warm. Nur einer war zu viel.

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Bastian Schweinsteiger und RTL-Moderator Florian König.
Bastian Schweinsteiger und RTL-Moderator Florian König.Foto: RTL

München, Allianz-Arena, Mitte dieser Woche. Er stand unter besonderer Beobachtung. Erstmals seit Jahren wieder an der Seitenlinie, im Stadion, bei einem großen Fußballspiel, da, wo vorher andere das Sagen hatten: Moderator Florian König und sein Sender RTL. Der Audi-Cup an zwei Abenden dieser Woche war die erste Fußball-Übertragung des Kölner Privatsenders seit langem. Und die erste nach Bekanntwerden des Mega-Deals.

Kürzlich hatte RTL die Exklusivrechte an den Qualifikationsspielen der deutschen Fußball–Nationalmannschaft für die nächste EM in Frankreich und übernächste in Russland erworben und damit ARD und ZDF vor der Nase weggeschnappt. Der Audi-Cup, von seiner sportlichen Bedeutung her nicht besonders groß, gab nun einen ersten Vorgeschmack auf die Art und Weise, wie RTL das Ganze ab Herbst 2014 inszenieren wird. Einen guten Vorgeschmack. Der Untergang des Abendlandes ist das nicht.

Trotz mancher Rumpeligkeiten, die vor allem mit dem unvermeidlichen „VIP“-Reporter Kai Ebel zu tun hatten. Die Steueraffäre und die Anklage gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatten die Übertragung der Bayern-Spiele in den vergangenen Tagen ja nochmals mit Bedeutung aufgeladen. Hier konnte journalistisches Profil gezeigt werden. RTL und Ebel ließen sich diese Gelegenheit zumindest entgehen. Keine Nachfragen bei Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Stattdessen softes Geplänkel und Fragen während der Halbzeitpause an gelangweilte Gäste im „VIP“-Raum der Allianz-Arena. Immerhin, Selbstironie hat der Ebel: „Aufpassen muss ich nur, dass ich nicht vor dem Spiel frage, wie viele Boxenstopps geplant sind.“ Lieber Kai Ebel, bitte zurück in die Boxen-Gassen bei RTL-Formel-1-Übertragungen!

Gebt Guardiola die Sprache zurück

Das ist sicher verbesserungswürdig. Aber nicht immer wird ein berühmter Vereinspräsident wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Und wie sagt man: Entscheidend ist auf dem Platz (die Highlights im Video). Da haben Moderator Florian König, Kommentator Heiko Waßer und vor allem ein Feldreporter namens Jan Krebs – diese Feldreporter sind sonst eine immer besonders lästige Journalistenspezies für Fußballfans vorm Fernseher – erstaunlich gute Arbeit geleistet.

Die Fragen an Thomas Müller („Was habt ihr Bastian Schweinsteiger zum Geburtstag geschenkt? Müllers Antwort: „Eine Tracht Prügel, ne …“) oder Arjen Robben nach den Spielen von Bayern München am Mittwoch- und Donnerstagabend bei diesem Miniturnier waren weitaus origineller, pfiffiger als die einfallslosen Lamenti der Möchtegern-nassforschen Reporter-Kollegen bei ARD und ZDF an schwitzende, genervte Fußballprofis nach der Arbeit, à la „wie seid ihr mit dem Druck umgegangen?“ oder die x-te Frage zum System von Trainer Pep Guardiola. Kleiner Tipp an alle vom Fernsehen: Lasst den neuen Bayern-Trainer am Anfang ruhig auch noch mal spanisch antworten. Das bringt allen mehr, vor allem uns Fans.

Und Ex-Bayern-Profi Christian Ziege am Kommentatoren-Mikrofon ist allemal ein einfallsreicherer Experte als zum Beispiel Oliver Kahn, der neben Kathrin Müller-Hohenstein im ZDF sein „Du-musst-Dominanz-ausüben“-Mantra schon gefühlte 1000 Mal gesagt hat. Da verschmerzt sich selbst die Werbung bei RTL. Halbzeitpausen werden in der Regel nicht vorm Bildschirm verbracht.

Prognose: Der Länderspiel-Deal wird sich für Zuschauer und Privatsender lohnen. Ist mal ganz gut, dass ARD und ZDF, sonst gerne recht freigiebig in Sachen Gebührengelder für Fußballrechte, zur Besinnung kommen. Mit freundlicher Unterstützung des FC Bayern München hat RTL am Donnerstagabend die TV-Konkurrenz in Schach gehalten. Die erste Halbzeit im Finale des Audi-Cups – in München gewann der Deutsche Fußball-Meister gegen den englischen Spitzenklub Manchester City mit 2:1 – sahen zwar „nur“ 4,25 Millionen Zuschauer, kein Wunder bei dem Wetter. 5,80 Millionen verfolgten dann die zweite Halbzeit ab halb zehn.

Das hatte dann dann fast schon Länderspiel-Niveau.

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