Medien : Fußball-WM 2002: Dieses Tor ist gefallen

Joachim Huber

ARD und ZDF haben sich auf die Verteilung des Eröffnungsspiels und des Finals bei der Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea verständigt. Danach wird das Erste die Eröffnungspartie mit Weltmeister Frankreich am 31. Mai 2002 aus Seoul übertragen, das ZDF das Finale am 30. Juni aus Yokohama. Dies bestätigte am Freitag NDR-Sprecher Martin Gartzke. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ist die federführende ARD-Anstalt beim WM-Turnier. ARD und ZDF haben sich damit auf eine Vergabe geeinigt, die den Rhythmus bei der WM 1998 umdreht. Damals übertrug das ZDF das Eröffnungsspiel und das Spiel um Platz drei, während das Finale der ARD zufiel.

Nach Angaben von ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz werden sich ARD und ZDF bei der WM 2002 von Spieltag zu Spieltag in der Berichterstattung abwechseln. Welche Partie nun an jedem der 25 Spieltage übertragen wird, wollen ARD und ZDF erst nach der Gruppenauslosung im Dezember festlegen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten haben vom Rechteinhaber, der Münchner Kirch-Gruppe, für etwa 250 Millionen Mark die Live-Rechte an 24 Spielen der WM 2002 in Japan und Südkorea gekauft, bei deutscher Beteiligung im Spiel um Platz drei wären es 25 Spiele. Darunter sind auf alle Fälle alle Treffen der deutschen Mannschaft, das Eröffnungsspiel, die beiden Halbfinale und das Endspiel. Kirchs Abonnementfernsehen Premiere World überträgt dagegen alle 64 Spiele der WM 2002 live. Die abendlichen Zusammenfassungen der Partien, deren Übertragungszeiten um 8 Uhr 30, 11 Uhr und 13 Uhr deutscher Zeit liegen werden, sollen nach dem bisherigen Stand bei Sat 1 laufen.

Nach übereinstimmenden Angaben von Gartzke und Gruschwitz werden ARD und ZDF jeweils zwölf Spiele live zeigen. "Dabei werden beide Seiten bemüht sein, zwei gleich schwere Pakete zu schnüren", sagte Gartzke. Vor diesem Hintergrund kann sich Gruschwitz vorstellen, dass "auch mal ein Sender an zwei Tagen hintereinander die Berichterstattung übernimmt". Für die Spieltage, an denen die deutsche Mannschaft (so überhaupt qualifiziert) nicht antreten muss, soll nach Informationen des stellvertretenden Leiters der ZDF-Hauptredaktion Sport "die Attraktivität der Partien entscheiden". Dabei sei es möglich, dass Begegnungen mit Brasilien, Holland oder England den Vorzug vor Spielen in der deutschen Gruppe erhielten.

So offen das Teilnehmerfeld der 32 Mannschaften beim Turnier in Südostasien noch ist, so offen ist auch die Besetzung der Teams von ARD und ZDF. Das ZDF hat in der Vergangenheit zwei Modelle getestet: bei der EM 2000 gab es je Mannschaft einen Experten, bei der WM 98 heißen die Experten-Duos Dieter Kürten/Karlheinz Feldkamp und Rudi Cerne/Klaus Allofs. Beim anstehenden Turnier kann sich Gruschwitz wieder eine Beschränkung auf wenige Experten vorstellen, "aus logistischen und finanziellen Gründen". Noch aktive Bundesliga-Spieler zu engagieren, bezeichnet der ZDF-Mann als schwierig, da der WM-Wettbewerb mit der Saison-Vorbereitung der Bundesliga zusammenfiele. "Wir suchen Persönlichkeiten aus der Bundesliga-Szene, die noch aktuell, deren Auftritte aufregend, informativ und unterhaltsam sind." Da hat die ARD ein Problem weniger: Das Duo Gerhard Delling und Günter Netzer ist fest gebucht.

Das ZDF möchte jede Übertragung zu einer Programmfläche von vier, fünf Stunden nutzen, immer auch abhängig von der Anstoß-, respektive Übertragungszeit. Über die erwarteten Einschaltquoten zum Fußball im "Frühstücksfernsehen" wollten weder ARD noch ZDF Angaben machen, "da gibt es einfach keine Erfahrungen", betonte Gruschwitz.

Beide Systeme planen den Verkauf von Werbezeiten im Umfeld der Übertragungen, um den horrend teuren Rechtekauf wenigstens teilweise zu refinanzieren. Der Rundfunkstaatsvertrag erlaubt ARD wie ZDF je Werktag 20 Minuten vor 20 Uhr. ARD-Sprecherin Gudrun Hindersin bestätigte die anstehende Akquise und wies zugleich einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" zurück, wonach mit einer "öffentlich-rechtlichen Werbeoffensive" zu rechnen sei. Nach ARD-Angaben hängen Umfang und Platzierung der Werbung vom Zeitplan ab. Es habe schon bei früheren Sport-Events Werbung am Vormittag bei der ARD gegeben, betonte Hindersin.

In rund 50 000 deutschen Fernsehhaushalten werden die Spiele der Fußball-WM 2002 voraussichtlich nicht live zu sehen sein. Wie aus ARD-Kreisen zu erfahren war, sind dies die Haushalte, die ARD und ZDF bisher ausschließlich digital und unverschlüsselt mit Hilfe einer Free-to-air-Box empfangen und entsprechend auch kein Premiere World abonniert haben.

Bei der Unterzeichnung des Fernsehvertrages mit der Kirch-Gruppe hatten sich die Sender bereit erklärt, die Spiele der Fußball-WM 2002 nicht digital und unverschlüsselt auszustrahlen. Bei der ARD hieß es, dass verschiedene Wege geprüft werden, um möglichst alle Zuschauer zu erreichen. Auf jeden Fall werde der Sender weiter alle Wege der analogen Verbreitung nutzen, die dem Großteil der ARD-Zuschauer nach wie vor zur Verfügung stehe. Kirch hatte verlangt, dass ARD und ZDF die Spiele im Digital-TV nur verschlüsselt übertragen sollten, damit sie nicht im Ausland zu empfangen seien. Die ARD lehne aber eine Verschlüsselung ab und verzichte lieber ganz auf die digitale Satelliten-Übertragung, schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Das Problem ist laut ARD, dass dann das gesamte Programm verschlüsselt werden müsste.

Eine ARD-Sprecherin sagte, durch die WM 2002 würden andere Programmetats nicht belastet. Um einzusparen, werde die ARD auf einige Spiele wie zum Beispiel Uefa-Cup und Länderspiele verzichten. Dies werde jedoch nach der Wertigkeit der Partien entschieden. Spiele mit deutscher Beteiligung seien davon jedoch nicht betroffen.

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