Gäste-Ranking bei den Talks : Nett gewinnt nicht immer

SPD-Vize Ralf Stegner ist „Talkshowkönig“, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen geht nur zu "Günther Jauch"

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Sein Typ ist gefragt. Ralf Stegner, Vizevorsitzender der Bundes-SPD und Parteichef in Schleswig-Holstein. Foto: dpa
Sein Typ ist gefragt. Ralf Stegner, Vizevorsitzender der Bundes-SPD und Parteichef in Schleswig-Holstein. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Schau mal an. Mein Tipp hätte anders gelautet: Wolfgang Bosbach, der Alleserklärer mit dem großen Herzen von der CDU. Aber nein, der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, war im ersten Halbjahr der deutsche „Talkshow-König“. Stegner, alles andere als ein Gute-Laune-Onkel und deswegen für scharf gewürzte Debatten bestens geeignet, trat fünf Mal in den verschiedenen Talkshows von ARD und ZDF auf, wie der „Focus“ am Sonntag auf Grundlage einer eigenen Auswertung berichtete. In der Runde von „Anne Will“ in der ARD war Stegner gleich zwei Mal zu Gast. „Wenn mein Typ gefragt ist, freut mich das natürlich“, sagte Stegner dazu. Ob es die Schleswig-Holsteiner in ihrem Jubel sehr grämen wird, dass Stegner weniger als SPD-Chef von der Küste denn als Bundes-Vize der sozialdemokratischen Partei gefragt war?

Je vier Mal waren aus der Riege der Politiker Wolfgang Bosbach (CDU), Thomas Oppermann (SPD), Norbert Röttgen (CDU), Edmund Stoiber (CSU), Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Marina Weisband (Piraten-Partei) in einer der Gesprächsrunden zu Gast. Oppermann trat dabei ausschließlich bei „Maybrit Illner“ im ZDF auf, wie die Auswertung der Gästelisten ergab. Mit einer Präferenz für eine Sendung ist Oppermann aber nicht alleine. So gastierte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dem Bericht zufolge ausschließlich bei „Günther Jauch“, bei dem sie binnen vier Monaten an drei Sendungen teilnahm.

Bevor die FDP aus dem Bundestag flog, waren führende Vertreter wie Parteichef Christian Lindner, der damalige Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle oder der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, gerne gesehene Gäste in den politischen Talkshows. Davon ist wenig bis nichts geblieben, mal ein Lindner-, mal ein Kubicki-Auftritt. Die Macht-, wenn nicht Bedeutungslosigkeit der Liberalen im Bundesgeschehen hat sich natürlich auch in den Talkshowredaktionen herumgesprochen.

Ein Auftritt bei „Günter Jauch“ garantiert den Gästen übrigens die größte Reichweite beim Publikum. Im Schnitt schauten dem Bericht zufolge im ersten Halbjahr 4,6 Millionen Zuschauer den Sonntagabend-Talk. Mit großem Abstand folgen „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg mit 3,2 Millionen Zuschauern und „Maybrit Illner“ mit 2,7 Millionen Zuschauern.

Der allergrößte Teil der Talkshows ist in die Sommerpause gegangen. Nach der nächsten Ausgabe am 30. Juli verschiedet sich auch „Anne Will“ in die selbige. Einzig „Beckmann“ hat nach dem Brasilien-Ausflug von Moderator Reinhold Beckmann schon wieder zu senden begonnen. Der 58-Jährige steht vor dem Finale. Am 25. September ist er zum letzten Mal mit seiner ARD-Talkshow zu sehen. Das Format „Beckmann“ gibt es seit dem Jahr 1999. Im Mai vergangenen Jahres war der Rückzug des Talkmasters bekannt geworden, 2015 wird er mit einem neuen Reportageformat ins Erste zurückkehren.

Seine ARD-Kolleginnen und -Kollegen melden laut Programmdirektion des Ersten folgende Rückkehrdaten: „Hart aber fair“ am 25. August, „Menschen bei Maischberger“ einen Tag später, „Günther Jauch“ am 29. September und „Anne Will“ am 1. Oktober. Ob Ralf Stegner sich schon freut? Joachim Huber

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