Horst Krause und die Mark : Schnecken aus Schönhorst

Im ARD-Film „Krauses Geheimnis“ sind irgendwie alle verliebt. Zumindest ins Landleben. Und Regisseur Bernd Böhlich in Gesichtsstudien seiner Darsteller.

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Nur noch zu zweit. Horst Krause (Horst Krause) fährt mit seiner „übrig gebliebenen“ Schwester Elsa (Carmen-Maja Antoni) zur „ausgewanderten“ Schwester Meta. Foto: ARD
Nur noch zu zweit. Horst Krause (Horst Krause) fährt mit seiner „übrig gebliebenen“ Schwester Elsa (Carmen-Maja Antoni) zur...

Ein Motorrad mit Beiwagen, eine schmale Chaussee, flache, grüne, brandenburgische Landschaft. Dazu Dorfpolizist Horst Krause (Horst Krause), der das Motorrad steuert und dabei aussieht, als gehöre das alles ihm, was ja auch irgendwie stimmt – diese Einstellung kennt und liebt jeder Krause-Film-Gucker. Ist so ein Zuschauer notwendigerweise ein Ossi? Keinesfalls. Die globalisierte Welt lässt Sehnsucht nach Heimat in uns allen wachsen, wobei der Drang in die Ferne ebenfalls stärker wird. Der derart widersprüchlich gepolte Zuschauer kommt diesmal voll auf seine Kosten. Denn er bekommt rund um den Kernschauplatz Schönhorst viel Heimat zu sehen, aber die letzte Szene – man halte sich fest – spielt in Paris.

Gleich zu Beginn nähert sich ein gewisser Albert (Jörg Schüttauf) dem kleinen Schönhorst. Er sucht eine Unterkunft und landet in Krauses Gasthof. Dort ist die Stimmung noch etwas gedrückt wegen des Auszugs, ja, der Auswanderung von Krauses Schwester Meta, die nach Köln zu ihrem Liebsten gezogen ist. Zwar blieb als herzensguter Trost für Krause und unentbehrliche Arbeitskraft für das Gasthaus die zweite Schwester Elsa (Carmen-Maja Antoni) übrig, aber Krause hat Schwierigkeiten, Metas Verlust zu verkraften. Geht doch ein Mensch mit Herz und Verstand, findet er, aus Schönhorst und der grünen, lieblichen brandenburgischen Landschaft niemals fort.

Aber da ist ja nun jemand hinzugekommen: Albert. Krauses Geheimnis ist eigentlich das Geheimnis von Albert, und nach und nach kommt alles raus. Nie werden die Karten platt auf den Tisch gelegt, es gibt keinen Moment der großen Aussprache, es wird auf eine indirekte, zeitlich gestreckte Weise allmählich klar, wie Elsa, Krause und Albert zueinanderstehen. Dieser Klärungsprozess gibt Regisseur Bernd Böhlich – der auch das Drehbuch schrieb – Gelegenheit, die Gesichter seiner Stars zu inszenieren. Er macht das großartig. Horst Krause (als Horst Krause) kann gut zweifeln, er kann sich noch besser mürrisch von den Dingen dieser Welt abwenden, aber er kann auch aufwachen, verstehen, auf sich selbst und die anderen zugehen. Carmen-Maja Antonis Mimik, wenn sie zuhört, Schlüsse zieht, anfängt, die Dinge zu durchschauen und mit der ihr eigenen Pfiffigkeit nach Lösungen sucht, wobei sie die Lippen spitzt und ihr der Schalk vom Nacken her über die Schulter guckt – das ist sehr vergnüglich. Auch von Jörg Schüttauf gibt es schöne Gesichtsstudien, seine Züge werden weicher und nachdenklicher und seine Kornblumenaugen kornblumiger, je nachdem, wie weit die Geheimnis-Katze, die er da in seinem Seesack mit sich trägt, schon rausguckt.

Der Landlust-Effekt: Es wollen längst nicht mehr alle weg

In Schönhorst lebt auch Schlunzke (Andreas Schmidt). Der ist in die örtliche Ärztin verliebt (Fritzi Haberlandt), ein Schicksal, das er bald mit Albert teilt. Aber Schlunzke hat sich etwas ausgedacht: er möchte den zur Ruine heruntergekommenen Herrensitz, den er für einen Euro erwarb, so schön herrichten, dass die Ärztin nicht anders kann, als mit ihm dort einzuziehen. Die etwas schüchterne, allseits bewunderte Dame hat allerdings andere Pläne: Sie lädt ihre Kommilitonen von einst zu einem Fest in Krauses Gasthof ein. Unter diesen schicken Wessis ist ein weiterer Verehrer. Roman Knizka spielt ihn mit Bärtchen und Porsche als arroganten Schnösel, und als er so tut, als gehöre die Welt ihm allein – einschließlich der Frau Doktor – ruft Schlunzke empört: „Was will denn der von meiner Schnecke?“ Es zeigt sich, dass die Umworbene inzwischen nach Schönhorst gehört. Nein, es wollen längst nicht alle weg, auch nicht von den jungen Leuten, manche wollen hin, und wenn Krause seufzt, aufsteht und sagt: „Ich bring die Pferde rein“, dann möchte wohl mancher Zuschauer mit ihm gehen. Dem Vernehmen nach weisen im Medienbereich der illustrierten Zeitschriften die Blätter über Freuden des Landlebens überwältigende Zuwachsraten auf.

Zugleich aber lockt die Stadt. Schwester Meta hört nicht auf, ihre Geschwister zu beknien, sie doch in Köln zu besuchen; schickt sogar eine Art Emissärin, die Gutscheine für zwei Freiflüge überreicht. Aber als Krause am Flughafen genötigt wird, seine Schuhe auszuziehen, ist Schluss. So weit lässt er sich nicht demütigen.

Dann passiert es doch: Meta und ihr Gatte feiern ihren Hochzeitstag in Paris – die Krauses müssen dabei sein. Diesmal schaffen sie es. Doch die Stadt der Liebe ist eine große Falle. Elsa liebäugelt mit einem Quetschkommodenspieler – und man kann sich vorstellen, wie es mit dem fünften Krause-Film weitergeht. Armer Hotti! Wird er auch noch Elsa verlieren? Doch wahrscheinlich wird er Albert gewinnen. In Schönhorst ist vieles möglich.

„Krauses Geheimnis“, ARD, Freitag, 20 Uhr 15

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