Krimi mit Senta Berger : Wenn der Staat in die extremistische Szene verstrickt ist

Auch die Krimi-Reihe „Unter Verdacht“ thematisiert islamistische Anschläge. Und Ermittlerin Prohacek (Senta Berger) ist persönlich in die Ermittlungen verstrickt.

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Verlorene Sicherheit. Eva (Senta Berger) und Langner (Rudolf Krause) observieren die Moschee. Foto: © ZDF/Barbara Bauriedl
Verlorene Sicherheit. Eva (Senta Berger) und Langner (Rudolf Krause) observieren die Moschee.Foto: © ZDF/Barbara Bauriedl

Islamistische Anschläge in Deutschland sind in der Fernseh-Fiktion nichts Ungewöhnliches. Filme erörterten die Erschütterungen eines Attentats mit hoher Opferzahl, noch ehe dies in Berlin im Dezember Wirklichkeit wurde. In „Unterm Radar“ (2015) mit Christiane Paul kam der Rechtsstaat nach einem Attentat in Berlin unter die Räder. Schon im September 2011 zündete ein deutscher Konvertit im „Polizeiruf 110“ eine Bombe in der Fußgängerunterführung zur Münchner Allianz-Arena. Und 2016 ließ die ARD das TV-Publikum darüber abstimmen, ob ein Pilot, der ein Zivilflugzeug abgeschossen hatte, verurteilt werden soll.

Die bayerische Hauptstadt ist auch der Schauplatz der „Unter Verdacht“-Reihe mit Senta Berger und erneut das Ziel eines Terror-Szenarios. „Verlorene Sicherheit“ handelt davon, wie der Staat in die extremistische Szene verstrickt ist und wie mit Winkelzügen aus machtpolitischen Interessen oder persönlichem Eigennutz die Ermittlungen beeinflusst werden.

Zu Beginn explodiert eine Autobombe während des Trachten- und Schützenzugs einen Tag nach der Wiesn-Eröffnung. Der Attentäter ist schnell identifiziert, Hinweise auf Mittäter gibt es angeblich nicht. Ein Jahr später taucht kurz vor den Landtagswahlen ein Video im Netz auf, das zeigt, wie ein Polizist das Tatfahrzeug an einer Sperre durchwinkt und kurz vor dem Anschlag seinen Posten verlässt. Dass der Beamte dem äußeren Anschein nach türkischer Abstammung ist, macht ihn für viele doppelt verdächtig.

Prohacek will etwas gutmachen

Die Sache wird für die interne Ermittlerin Eva Maria Prohacek (Senta Berger) persönlich: Sie war früher der gesetzliche Vormund des Polizisten Cem Oktay (Sohel Altan Gol), der angeblich nur wegen Übelkeit seinen Posten verließ. Beide haben sich 13 Jahre nicht gesehen. Cem fühlte sich damals als Jugendlicher von seiner „zweiten Mutter“ im Stich gelassen. Prohacek will etwas gutmachen, wird aber von einem Schlaganfall und den Intrigen ihres Vorgesetzten Claus Reiter (Gerd Anthoff) ausgebremst.

Die Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen ziehen die Schraube an. Das ewige Tauziehen zwischen Prohacek und Reiter wird existenziell. Senta Berger gibt die angeschlagene Prohacek, die sich erstaunlich schnell von dem Schlaganfall erholt, nicht als ungebrochene Heldin.

Erstmals in 15 Jahren wurde ein Zweiteiler für die Reihe produziert, was nicht automatisch eine gute Idee sein muss, aber in „Verlorene Sicherheit“ gibt es Stoff für den größeren Bogen: Der politische Druck auf die Ermittlungen. Die Verwicklung des Verfassungsschutzes. Der Schmerz der Opfer-Angehörigen. Der Generalverdacht gegen Muslime. Das Abdriften junger Frauen in den Extremismus. Schließlich kommt eine ausländische Macht ins Spiel. Die Geschichte wirkt ausgewogen, differenziert, nicht überfrachtet. Das bittere Finale, das Regisseur Andreas Herzog knapp und präzise inszeniert, gibt dem Geschehen noch einmal eine unerwartete Wendung.

„Unter Verdacht - Verlorene Sicherheit“, Donnerstag, Arte, 20 Uhr 15

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