Magazin : Das ZDF-„auslandsjournal“ wird 40 Jahre alt

Welt im Wohnzimmer: Das „auslandsjournal“ ist seiner Grundidee treu geblieben. Bis auf einige Selbstversuche.

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Theo Koll.
Theo Koll.Foto: ZDF

Auch wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten die Welt, die Erzählformen und Sehgewohnheiten sehr gewandelt haben, die Idee des „auslandsjournals“ ist dieselbe geblieben. Das ZDF-Magazin feiert seinen 40. Geburtstag und macht weiterhin das, was es am besten kann: Es blickt kenntnisreich aufs Weltgeschehen. In der Jubiläumssendung, die zum ersten Mal aus einem digitalen Studio produziert wird, zeigt Moderator Theo Koll Highlights der vergangenen 40 Jahre. Dabei wird deutlich: So manches Thema ist noch hochaktuell. Wie etwa die Frage der Datenspeicherung in den USA, von der Washington-Korrespondent Ulf Röller berichtet. Und es gibt einen Blick nach vorn: Was wird die Welt in den kommenden Jahrzehnten verändern? Am Schluss der Sendung begibt sich im „außendienst“ ein Reporter im Selbstversuch in die Situation eines anderen Menschen. Das kann ein indischer Essenausteiler oder eine koreanische Sängerin sein. Am Mittwochabend nimmt Reporter Andreas Stamm die Weltmeisterschaft im Beerenwettsammeln unter die Lupe.

„Auch Klassiker müssen sich wandeln, um modern zu bleiben“, schrieb Peter Frey im ZDF-Jahrbuch 1998 anlässlich des damals 25. Geburtstags des „auslandsjournals“. Damals war der 41-jährige Frey Leiter der ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik. Zum neuerlichen Jubiläum sagt er: „Vom Stuhl des Chefredakteurs aus beobachte ich mit stillem Neid, wie sich heute Theo Koll und seine Redaktionsmannschaft um Diana Zimmermann in die Welt mit all ihren Facetten und Abenteuern werfen können.“

Tatsächlich hat sich dieser Klassiker immer wieder gewandelt. In Sachen Sendeplatz hat das Format eine bewegte Geschichte hinter sich. 1973 von Rudolf Radke aus der Taufe gehoben, der auch die „heute“-Nachrichten als Konkurrenzprodukt zur „Tagesschau“ aufgebaut hatte, war das „auslandsjournal“ auf dem 19-Uhr-30-Platz am Freitag gestartet. Mitte der 1980er Jahre erhielt es seinen traditionellen Sendeplatz am Donnerstagabend um 21 Uhr 15. Aufgrund der Unterhaltungskonkurrenz lief es in den 1990ern ein paar Jahre lang immer am Montag, um dann wieder auf den Donnerstag zurückzukehren.

Steigende Zuschauerzahlen

Vor zwei Jahren hatte Theo Koll, der nicht nur seit 2009 das Gesicht der Sendung, sondern auch Chef der Redaktion Politik und Zeitgeschehen ist, die Idee mit dem Mittwochabend. Das war etwas riskant, da man direkt gegen die „Tagesthemen“ antrat. Seither kann sich das Magazin über steigende Zuschauerzahlen freuen und das auch an Tagen, an denen nicht direkt davor die Champions League läuft. 10,7 Prozent Marktanteil und im Schnitt 2,24 Millionen Zuschauer erreichten die bisherige Sendungen in diesem Jahr. Der ARD-„Weltspiegel“ als zehn Jahre älterer Bruder kommt auf eine Durchschnittsquote von 8,1 Prozent. Den „Informationsdreisprung“ nennt Theo Koll, der einst „Frontal 21“ mit aufgebaut hat, die Abfolge von „heute journal“, „auslandsjournal“ und dem Reportageformat „ZDF-zoom“. Ähnlich gut laufen auch die monothematischen Sonderausgaben wie etwa „auslandsjournal spezial: Tage des Zorns“ über Ägypten oder „auslandsjournal XXL: Brasilien“, das gerade den Deutschen Fernsehpreis als „Beste Informationssendung“ bekommen hat. „Der Erfolg dieses Formats ist für mich ein weiterer Beweis für das zunehmende Interesse der Zuschauer an Auslandsthemen“, sagt Theo Koll. Gerade weil die Welt da draußen heute nicht mehr so unbekannt ist wie vor 40 Jahren, hätten die Menschen viele Referenzpunkte zu einzelnen Ländern.

Auch die Rolle der Korrespondenten und die Schwerpunkte der Berichterstattung haben sich verändert. Die Büros in China und Brüssel wurden aufgestockt, die Korrespondenten sind rund um die Uhr multimedial einem enormen Aktualitätsdruck ausgesetzt. Auch der Haudegen-Habitus eines Peter Scholl-Latour, der bei seinen Aufsagern in wilden Berggegenden gerne einmal ein Reittier am Zügel hielt, wäre heute undenkbar.

Unbedingt sehenswert ist im Anschluss die „auslandsjournal“-Doku „Die Turans aus der Türkei – damals und heute“. Darin werden die Protagonisten eines Films von Hans-Dieter Grabe aus dem Jahr 1973 aufgespürt und die Fragen nach Fremdheit, Identität und Heimat miteinander verbunden.

„40 Jahre auslandsjournal“, Mittwoch, ZDF,

22 Uhr 15, „auslandsjournal – die doku“, 0 Uhr 45

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