MEDIA Lab : Maßstab der Freiheit?

Klaus Beck analysiert, wie sich die Pressefreiheit in Deutschland mit der in der Türkei vergleichen lässt. Rankings von ROG und Freedom House tun es

Klaus Beck
Aufgeben gilt nicht. Demonstration für die Pressefreiheit in der Türkei Foto: dpa
Aufgeben gilt nicht. Demonstration für die Pressefreiheit in der TürkeiFoto: dpa

Nicht erst seit dem gescheiterten Putsch verschlechtert sich die Lage der Medien in der Türkei. Erdogans Wende zum autoritären Staat geht seit Jahren mit einer ernsten Bedrohung der Medienfreiheit einher, wie Reporter ohne Grenzen (ROG) mit der Platzierung der Türkei auf Rang 151 der Weltrangliste der Pressefreiheit verdeutlicht.

Auch Deutschland ist abgerutscht (Rang 16): Zwar tun sich auch hierzulande die Behörden mitunter schwer mit der Presse, entlassen große Medienkonzerne Journalisten. Doch neue Gefahren für die Medienfreiheit drohen von anderer Seite: Pegida-Demonstranten schüchtern Journalisten ein, greifen sie oder die Redaktionen an, AfD und NPD schließen sie von der Berichterstattung aus.

Wie kann man Medienfreiheit messen und dabei ganz unterschiedliche Länder vergleichen? Was taugen die Rankings von ROG oder Freedom House, denen die Feinde der Medienfreiheit, aber auch einige Forscher Parteilichkeit vorwerfen?

Die Untersuchungsmethode von Reporter ohne Grenzen

ROG stellt weltweit 100 Experten und eigenen Korrespondenten 87 detaillierte Fragen zu Vielfalt und Unabhängigkeit der Medien, wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen, journalistischem und technischem Arbeitsumfeld, redaktioneller Transparenz und Selbstzensur sowie zu Gewalt gegen Journalisten. Zunehmend werden nicht mehr nur staatliche Eingriffe und Repressionen berücksichtigt. Auch die für Demokratien typischen ökonomisch bedingten Einschränkungen gehen in die Rankings ein. Die Befragungen sind aussagekräftiger, zuverlässiger geworden. Dafür spricht die wachsende Übereinstimmung der konkurrierenden Studien von ROG und Freedom House. Die Befunde zeigen nicht nur die klassischen Probleme autoritärer Staaten, sondern dass auch neue Bedrohungen der Medienfreiheit verstärkter Aufmerksamkeit bedürfen: in der Praxis wie in der Forschung.

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