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Mehr Schaden als Gewinn : Bauer-Verlag stellt Magazin "Der Landser" ein

Der Bauer-Verlag kommt einer möglichen neuen Indizierung seines Magazins "Der Landser" zuvor. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt soll die Publikation eingestellt werden. Simon-Wiesenthal-Zentrum begrüßt Entscheidung.

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Das Magazin "Der Landser".
„Glorifizierung“ von Kriegsverbrechen wirft das Simon-Wiesenthal-Zentrum dem Magazin „Der Landser“ vor.Repro: Tsp

Wöchentlich transportierte „Der Landser“ Kriegsgeschichten an den Kiosk. Nicht als kritische Aufarbeitung der Nazizeit, sondern als pseudokumentarischen Groschenroman. Damit ist jetzt Schluss. „Zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ wird das Magazin eingestellt, teilte der Bauer-Verlag am Freitag mit.
Offensichtlich fürchtet der Konzern um seinen Ruf. Derzeit bewirbt sich Bauer für eine Lizenz am britischen Sender Absolute Radio, der „Landser“ schien das Geschäft zu gefährden.

Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte die Einstellung

Zwar erscheint das Heft bereits seit 1957, doch das Simon-Wiesenthal-Zentrum brachte es Ende Juli wieder in die Schlagzeilen. Der „Landser“ würde die an der Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg beteiligten Verbände der SS „glorifizieren“, sagte das Zentrum und forderte das Bundesinnen- und Bundesjustizministerium zur Untersuchung auf wegen möglicher Verstöße gegen Paragraf 86 des deutschen Strafgesetzbuchs.


Mehrfach war der „Landser“ schon in früheren Jahren von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien untersucht und zuletzt 1984 auf den Index gesetzt worden. Bauer ließ das Heft nach den Vorwürfen des Wiesenthal-Zentrums in einem „neutralen Gutachten“ durch den Strafrechtler Otmar Kury prüfen. Demnach stehe der „Landser“ im Einklang mit den in Deutschland geltenden strengen Gesetzen, weder verherrliche noch verharmlose er Nationalsozialismus. Doch habe Bauer „die Publikation hinsichtlich der Portfoliostrategie des Unternehmens“ neu bewertet und entschieden, die Reihe nicht fortzuführen, heißt es in der Begründung.

Verlag kommt einer möglichen neuen Indizierung zuvor

Damit kam der Verlag einer möglichen neuen Indizierung zuvor. Das Bundesinnenministerium hatte dem Bundesfamilienministerium bereits geraten, bei der Bundesprüfstelle eine Prüfung zu beantragen.

Den "Landser" zu verkaufen, hat der Verlag offenbar nicht versucht. "Es gab keine anderen Überlegungen" als die Einstellung, sagte eine Sprecherin des Verlags.

Das Wiesenthal-Zentrum nannte die Einstellung „einen großen Sieg“. Bauer habe insbesondere mit Blick auf die Porträts im „Landser“, in denen Mitglieder der SS- und Totenkopf-Einheiten als Helden glorifiziert würden, die richtige Entscheidung getroffen. Auch deswegen, weil der Antisemitismus beispiellose Ausmaße in vielen Teilen Europas erreicht habe.

Sonja Álvarez

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