Quote sinkt von Talk zu Talk : Anne Will muss mehr Zirkus wagen

Die Quote bei „Anne Will“ sinkt kontinuierlich. Kein Grund zur Aufregung, aber Grund genug für eine Anregung

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Seit 17. Januar talkt Anne Will am Sonntag nach dem "Tatort". Die Quoten von "Günther Jauch" erreicht sie nicht.
Seit 17. Januar talkt Anne Will am Sonntag nach dem "Tatort". Die Quoten von "Günther Jauch" erreicht sie nicht.Foto: dpa

Wenn eine Sendung von Ausstrahlungstermin zu Ausstrahlungstermin an Quote einbüßt, dann wird der ausstrahlende Sender in der Regel sehr nervös. Die ARD wird es nicht, jedenfalls nicht bei „Anne Will“. Die Talkshow am Sonntag um 21 Uhr 45 im Ersten startete am 17. Januar mit 4,39 Millionen Zuschauer, eine Woche später waren es 3,92 Millionen, am 31. Januar 3,68 Millionen und am 7. Februar ging es auf 3,63 Millionen hinunter. „Anne Will“ ist der Nachfolgetalk von „Günther Jauch“, der vom September 2011 bis zum November 2015 lief; davor und zwar von 2007 an hatte Will am Sonntag nach dem „Tatort“ zum Gespräch geladen; „Günther Jauch“ am Sonntag hieß vier Jahre lang „Anne Will“ am Mittwoch, Jauchs Abschied bedeutete Wills Rückkehr auf den prominentesten Talkshowplatz im deutschen Fernsehen.

Günther Jauch war – von den Zahlen her betrachtet – deutlich erfolgreicher als Anne Will. Sie aber ist so erfolgreich wie in ihren Sonntagsjahren 2007 bis 2011. Schon daran wird erkennbar, dass das große Publikum darauf reagiert, wer wie am Sonntagabend die Zeitläufte erklärt, einordnet, exhibiert.

Bei Jauch war deutlich mehr Zirkus

Bei „Günther Jauch“ flog die Kamera zum Start in waghalsigem Tempo in den Gasometer, alles war auf „Circus Maximus“ ausgelegt. „Anne Will“ fängt einfach an, ein etwas größeres Wohnzimmer verrät nichts von der Größe der Aufgabe, des Themas, des Anspruchs. Jauch hatte die größeren Runden, die waghalsigeren Einspieler, nicht ausgeschlossen war es, dass der Moderator des gesunden Menschenverstandes ins schlingernde Staunen kam, was weniger die Zuschauer als die Fernsehkritik schäumen ließ.

Anne Will bildete ihren journalistischen Ansatz am Mittwoch weiter aus. Am Sonntag nun fällt auf, dass der heruntergedimmte Salonstil zur Langeweile rüberlappen kann. Geht das: ein wenig mehr Jauch, ohne Jauch imitieren zu wollen? Anregung und Aufregung? Joachim Huber

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