Medien : Schuld und Bekenntnis

Preisgekrönte Phoenix-Doku über den Völkermord in Ruanda

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Ruanda, 1993: „Jeder nannte es das Paradies“, erinnert sich General Romeo Dallaire. Der Kanadier reiste als Leiter der Blauhelm Mission der Vereinten Nationen in das afrikanische Land, um den brüchigen Frieden zu sichern. Binnen weniger Monate verwandelte sich das Paradies in ein Schlachthaus. 800 000 Menschen wurden im Frühjahr 1994 in nur 100 Tagen Opfer des Völkermords der Hutu an den Tutsi. „Diese fürchterliche Stille!“, erinnert sich Dallaire an die Atmosphäre in den Dörfern, nachdem diese von den Milizen heimgesucht wurden. Dass er nicht verhindern konnte, was er in den Hütten sieht, verzeiht sich der General nicht. Warum er es nicht verhindern konnte, schildert Steven Silvers Film „Zur Schuld verdammt“.

Der Sender Phoenix darf zumeist nur wiederholen, was ARD und ZDF bereits ausgestrahlt haben. Diesmal hat er echtes Ereignisfernsehen als Erstausstrahlung im Programm. Silvers erschütternder wie informativer Film schildert detailliert den Fortgang der Ereignisse, erklärt die Hintergründe, enthüllt das schreckliche Versagen einzelner Regierungen und der Vereinten Nationen und bietet überdies eine filmisch überzeugende Umsetzung des Themas. „The Last Just Man“, so der Originaltitel, wurde in diesem Jahr beim Fernsehfestival „Cologne Conference“ mit dem Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet, der von Phoenix gestiftet wurde.

Im Mittelpunkt des Films steht General Dallaire, der mit seiner beschränkten Zahl an Soldaten nur den Frieden in Ruanda sichern, aber nicht selbst eingreifen durfte. Seine immer drängenderen Bitten, das Mandat auszuweiten, wurden in New York selbst dann noch abgelehnt, als die Hutu-Milizen bereits mordend durch die Hauptstadt Kigali zogen. Der UN-Sicherheitsrat ließ den Völkermord geschehen, und seinem Vorposten Dallaire blieb nur die Ohnmacht. „Ich habe versagt. Ich habe es nicht vermocht, der Weltgemeinschaft die Augen zu öffnen“, sagt Dallaire, der unter der Last seiner Schuldgefühle zwei Selbstmordversuche unternahm. Am Ende erklärt er: „Ruanda ist der einzige Ort auf Erden, an dem ich leben möchte.“ tgr

„Zur Schuld verdammt“: Phoenix, 21 Uhr 45

„Die Diskussion“: Phoenix, 22 Uhr 45

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