Sender-Jubiläum : Schlauer fernsehen: 30 Jahre 3sat

Kultur und Wissenschaft prägen das Programm von vier Sendern aus drei Ländern. Allerdings: Das 3sat-Programm wirkt schon auch trocken, wenn nicht verstaubt.

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Die Wissenschaftsjournalisten von „nano“ können auch Monster-Experimente.
Die Wissenschaftsjournalisten von „nano“ können auch Monster-Experimente.Foto: 3sat

Zum Grundgesetz des Mediums gehört dieser Artikel der Kommunikationswissenschaftlerin Hertha Sturm: „Das Fernsehen macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer.“ Der Zuschauer kann sich überlegen, was die Television mit ihm anstellen soll, indem er sich seine Programme aussucht. Positivistisch formuliert: Mit RTL 2 ist das Schlauerwerden schwieriger, mit 3sat einfacher.

3sat jedenfalls wollte schon mit seinem Start am 1. Dezember 1984 „eine europäische Plattform der Kultur und des Wissens“ sein, wie Gottfried Langenstein, Vorsitzender der Geschäftsführung, zum Sendejubiläum sagte. Erst einmal war da vor 30 Jahren die Satellitentechnik, die nicht nur die Zahl der Programme stetig wachsen ließ, sondern auch grenzüberschreitendes Fernsehen ermöglichte. Die drei Gründer ZDF, ORF und SRG sahen die Chance, gemeinsam ein deutschsprachiges Programm für Deutschland, Österreich und die Schweiz zu entwickeln. Trägerschaft und Verantwortung liegen beim ZDF. Seit 1993 ist auch die ARD beteiligt. Das Programmvolumen teilt sich aktuell so auf: ARD und ZDF jeweils 32,5 Prozent, ORF 25 Prozent, SRF zehn Prozent.

Geburtstagsprogramm aus vier Thementagen

Mit den Schwerpunkten Dokumentation, Wissenschaft und Kultur ist der Drei-Länder-Sender nun schon seit 30 Jahren Teil der deutschsprachigen Fernsehlandschaft. Rund um den Jahrestag am 1. Dezember gibt es ein Geburtstagsprogramm aus vier Thementagen – am heutigen Samstag: „Bühnenwelten“ – mit besonderen Filmen, Dokumentationen sowie verschiedenen Bühnen- und Konzertevents. Anfangs konnten nur 8000 Zuschauer das sechsstündige Programm empfangen. Auch heute sind die Marktanteile zwischen 1,1 Prozent in Deutschland und 1,7 Prozent in Österreich auf den ersten Blick überschaubar. Dennoch freuen die Verantwortlichen sich zum 30. Geburtstag über einen Rekord. Bei dem Umstieg vom analogen auf den digitalen Satelliten vor drei Jahren „erwarteten wir noch Quotenrückgänge. Doch das Gegenteil ist der Fall“, sagte Gottfried Langenstein, Vorsitzender der Geschäftsführung. 3sat hat aktuell die höchsten Einschaltquoten seit seiner Gründung. Langenstein wird vor diesem Hintergrund geradezu euphorisch, seiner Meinung nach fühlt sich vor allem die „Internetgeneration“ angesprochen, sie suche das „Abenteuer Denken“, das Besondere und das Vertiefende.

Trocken, wenn nicht verstaubt

Ob 3sat wirklich die „Netzaffinen“ in großer Zahl anlockt? Das 3sat-Programm wirkt schon auch trocken, wenn nicht verstaubt. Die werktäglichen Magazine „Kulturzeit“ und das Wissenschaftsmagazin „nano“ gelten als Markenzeichen. „Beides verbindet: Sachwissen ist überall gültig, wie auch Kulturgüter keine Grenzen kennen“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut im Presseheft. Ein Kultursender zerstreue nicht durch Dauerunterhaltung, sondern mache neugierig und offen für scheinbar Fremdes. Aus diesem Anspruch ein 24-Stunden-Programm zu formen, mischen die Macher Eigen- und Best-of-Produktionen der beteiligten Anstalten. Die ARD beispielsweise bringt als Eigenproduktion für 3sat das „Ländermagazin“, „wissen aktuell“ und den „Museums-Check“ ein, das ZDF Sendungen wie „scobel“ und „makro“, der ORF speist die jährlichen „Tage der deutschsprachigen Kultur“ aus Klagenfurt ein.

Der Weg zum 30. Jubiläum war allerdings nicht ganz so eben, wie er im Glanz der Geburtstagslichter aussehen soll. Das Budget, das ARD, ZDF, ORF und SRG für ihr gemeinsames „Baby“ zur Verfügung stellten, schrumpfte zusehends. Die Österreicher kürzten das Geld für die Programmgestaltung im vergangenen Jahr um 40 Prozent. Die ARD dachte 2004 gar über einen kompletten Ausstieg nach. Jetzt aber gilt: „Anders fernsehen“, das heißt 3sat einschalten. Joachim Huber

„Bühnenwelten“, 3sat, ab 6 Uhr 05, Samstag

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