Spiegel-Werbung : Kleber kann nicht absagen

Claus Kleber ist in einer Anzeige im "Spiegel" zu sehen. Der Chef des "heute-journal" wirbt dort für "Spiegel Wissen" - ungewollt, denn er hat für die Anzeige gar keine Genehmigung gegeben.

Tim Klimeš
Kleber
Claus Kleber wirbt. Ein Missverständnis. -Repro: Tsp

Für wirklich wichtige Entscheidungen hat der Chef des „heute-journal“, Claus Kleber, seine Berater. Als ihm Ende 2007 der Posten des „Spiegel“-Chefredakteurs angetragen wurde, fällte sein Bauch die Entscheidung, nicht nach Hamburg zu wechseln, wie Kleber in einem Interview verriet. Nun, beim neuerlichen Versuch des „Spiegel“, Kleber wenigstens für eine Werbekampagne zu gewinnen, fällte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die Entscheidung für seinen Nachrichtenchef. „Ein Journalist wirbt nicht!“, so dessen Credo, auch nicht für das neue Online-Lexikon „wissen.spiegel.de“.

Trotzdem erschien in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ eine einseitige Anzeige mit dem Konterfei von Claus Kleber. „Dieses Angebot vom SPIEGEL nehme ich gerne an“, steht daneben geschrieben, ein Verweis auf das neue Wissensportal des Nachrichtenmagazins – und eine selbstironische Replik auf das Gerangel, das in den vergangenen Monaten um die Nachfolge von Ex-Chefredakteur Stefan Aust zu beobachten war.

Anja zum Hingst, Sprecherin des „Spiegel“-Verlags, erklärt den Abdruck mit einem missverstandenen „Schwebezustand“. Nachdem „Spiegel“-Geschäftsführer Mario Frank Kleber das Angebot unterbreitet hatte, sei dieser von der Idee angetan gewesen. Eine Zusage konnte der ZDF-Mann zu dem Zeitpunkt allerdings nicht geben, nicht ohne die Erlaubnis seines Arbeitsgebers. Öffentlich-rechtliche Moderatoren und Werbung? Da braucht es Absegnung von ganz oben. Auch wenn Kleber, wie er selbst sagt, in diesem Fall „eine Ausnahme gemacht hätte.“

Auch Brender fand die Idee zwar lustig, wie er dem Tagesspiegel sagte, er habe aber auch gewusst, dass „Medienkritiker keinen Humor haben“. „Um keine falsche Diskussion loszutreten“, blieb Brender bei seinem Credo: „Ein Journalist wirbt nicht. Wer wirbt, ist kein Journalist.“ Kleber versäumte daraufhin, dem „Spiegel“ das Brendersche „Nein“ mitzuteilen. Also kam es zu dem verhängnisvollen „Schwebezustand“, an dessen Ende der „Spiegel“-Verlag „das Schweigen fälschlicherweise als Zustimmung gewertet hat“, sagte zum Hingst.

Als Ausgleich für das Missverständnis wird der „Spiegel“-Verlag nun Klebers Honorar an den Rory-Peck-Trust weiterleiten – ein Journalistenhilfswerk, zum Gedenken an den Kameramann Rory Peck, der 1993 bei der Ausübung seiner Arbeit ums Leben kam.

Am heutigen Donnerstag wird die „Spiegel“-Werbung mit Klebers Konterfei ein zweites Mal erscheinen. Der Anzeigenplatz in der Wochenzeitung „Die Zeit“ war bereits gebucht, als Kleber den „Spiegel“ per Mail aufforderte, die Werbung zu stoppen. „Die Anzeige wird wegen des vorgezogenen Erscheinungstermins vor Ostern noch veröffentlicht“, sagte Anja zum Hingst. „Alle weiteren Abdrucke der Anzeige haben wir storniert.“

Böses Blut gibt es zwischen dem „Spiegel“ und dem ZDF wegen des Missverständnisses aber nicht. Erst am Dienstag, sagte Nikolaus Brender, habe er die beiden neuen „Spiegel“-Chefs Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo auf einem Termin getroffen. „Wir haben uns gekringelt vor Lachen“, sagte der ZDF-Chefredakteur.

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