Streit mit der "FAZ" über ein Interview : Alexis Tsipras und sein schwieriges Verhältnis zu den Medien

Die Botschaft des griechischen Oppositionsführers Alexis Tsipras lautet: Sein Bündnis Syriza habe nichts gegen das deutsche Volk, wohl aber gegen ein deutsches Europa. Mit der deutschen Presse aber hat er es nicht so - sein neuer Ärger mit der "FAZ" ist dafür nur ein Beispiel.

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Alexis Tsipras, Oppositionsführer in Griechenland
Er hat ein nicht ganz unkompliziertes Verhältnis zu den Medien: Der griechische Oppositionsführer Alexis TsiprasFoto: dpa

Alexis Tsipras, griechischer Oppositionsführer, ist am Sonntag 39 Jahre alt geworden. Als er mal in einem Interview vom Fragesteller verglichen wurde mit Che Guevera, sagte er, nicht ganz unbescheiden: "Es gibt in jeder Phase der Geschichte Persönlichkeiten, die das Schicksal zwingt, eine entscheidende Rolle zu spielen." Er selbst tue aber "nichts anderes, als eine andere Generation und ein anderes Politik-Modell zu vertreten", fügte er hinzu. Bei anderer Gelegenheit nannte er sich selbst "unbelastet", sein Linksbündnis Syriza stehe eben "nicht für Korruption, Vetternwirtschaft und Nepotismus". Syriza habe nichts gegen das deutsche Volk, wohl aber gegen ein deutsches Europa.

Es sind Aussagen eines jungen griechischen Politikers in deutschen Medien. Allzu viele davon gibt es nicht - denn Interviews gibt Tsipras der Presse in Deutschland prinzipiell nicht so gern. Und wenn doch, dann zu seinen Bedingungen. Das musste dieser Tage die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erfahren: Ein Gespräch ihres Korrespondenten Michael Martens mit dem Chef des griechischen Linksbündnisses brach dieser nach fünf Fragen und nur knapp acht Minuten ab. Was er denn gemeint habe, als er im Juni 2012 gesagt habe, dass die Regierungsparteien Nea Dimokratia und Pasok "die griechische Flagge erniedrigt und an Angela Merkel ausgeliefert" hätten, wollte Martens von Tsipras wissen. Und dann war Schluss. Im Auftrag ihres Chefs beschwerte sich die Pressesprecherin von Tsipras anschließend bei den Herausgebern der "FAZ": Martens habe "die Grenzen journalistischer Arbeitsethik weit überschritten". Er arbeite mit "Gerüchten, Aussagen Dritter und ungeprüft übernommenen Informationen". Und, so die Sprecherin weiter, da Tspiras der "Klatschpresse" keine Interviews gewähre, habe er sich "genötigt" gesehen, das Gespräch abzubrechen.

Schwierigkeiten zwischen dem griechischen Oppositionsführer und der deutschen Presse gibt es längst nicht zum ersten Mal. Im März vergangenen Jahres drohte Tspiras der "Bild"-Zeitung mit einer Klage auf eine Million Euro Schadenersatz, weil er sich und seine Zeitung beleidigt sah. Auf der Syriza-Webseite hieß es damals, "Bild" habe "verleumderisches und überaus beleidigendes" Material veröffentlicht, versuche die Partei zu "kriminalisieren und dämonisieren". Das Boulevardblatt hatte demnach behauptet, dass Tsipras gewalttätige Anarchisten unterstütze, die während der Anti-Spar-Demonstrationen im Februar 2012 Dutzende von Gebäuden in Brand gesteckt hatten.

Die Probleme mit "Bild" mussten dann knapp ein Jahr später als Begründung dafür herhalten, dass ein vom Tagesspiegel angefragtes Interview mit Tsipras nicht zu Stande kam. Der Grieche hielt sich im Januar 2013 für einige Tage in Deutschland auf, sein Programm organisierte die ihm verbundene deutsche Linkspartei. Höhepunkt war - wie schon im Jahr 2012 - sein Auftritt beim Politischen Jahresauftakt der Linken, den die Partei diesmal in der Volksbühne am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz veranstaltete. Doch zu einem Interview ohne Vorbehalte war Tsipras nicht bereit. Seine Vorstellung: Die Fragen seien schriftlich einzureichen und sie würden auch nur schriftlich beantwortet. Nicht Terminnöte waren das Problem. Stattdessen wurde darauf hingewiesen, dass Tsipras - siehe "Bild" - schlechte Erfahrungen mit deutschen Medien gemacht habe. Die Tagesspiegel-Redaktion lehnte das schriftlich geführte Interview damals ab. Es war dem Vernehmen nach längst nicht der einzige Fall, bei dem es Schwierigkeiten mit der Vermittlung eines Journalisten-Gesprächs mit Tsipras gab.

Im neuen Fall des Streits mit der "FAZ" ging zunächst die Athener Zeitung "Avgi" ("Morgenröte"), das Parteiblatt der Syriza, an die Öffentlichkeit. Sie schrieb über den Korrespondenten Martens, er scheine "von dem Stil eines Prokonsuls inspiriert zu sein, mit welchem seine Landsleute, Politiker sowie Funktionäre der Troika aufzutreten pflegen". Daher habe er gedacht, "der Oppositionsführer sei allgemein sogar für Interviews politisch verantwortungsloser Natur verfügbar". Vom abgebrochenen Interview schrieb "Avgi" nichts. Die "FAZ" wiederum veröffentlichte dann am Sonntag, dem Geburtstag von Tsipras, ein Transkript des Gesprächs. Und stellte die Frage: "Wenn Alexis Tsipras und seine Leute einen Journalisten, der sie mit ihren eigenen Aussagen konfrontiert, unethisch nennen - sagt das nicht am Ende mehr über sie selbst und die Kultur ihres politischen Dialogs aus als über denjenigen, der sie zitiert?"

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