TOPF VOLL Gold : Der Klatsch macht puff

Es ist vorbei: "Heim und Welt" stellt Erscheinen ein. Was wir vermissen werden - und was ganz sicher nicht.

Moritz Tschermak
"Heim und Welt"
"Heim und Welt"Repro: Promo

Das war's dann also mit der „Heim und Welt“. Nach 66 Jahren ist Schluss, Ausgabe 25 bietet letztmalig „Alles für die Frau“. Die Auflage von knapp 28 000 verkauften Exemplaren scheint den Klambt Verlag nicht zum Weitermachen zu motivieren. Wieder ein Regenbogenheft weniger.

Regelmäßig verschwinden kleinere Titel aus den Kioskregalen, Neugründungen tauchen plötzlich auf. Das Einstampfen der „Heim und Welt“ ist dennoch bemerkenswert, weil sie selbst bemerkenswert ist. Da wären zum Beispiel die fantastischen Artikeleinstiege. Kostprobe: „Das glücklich verliebte Paar wandelt einträchtig durch den malerischen Garten.“ Oder: „Die gleißende Mittagssonne taucht die Wüste Kenias in einen goldenen Glanz.“ Oder: „Mit ruhiger, warmer Stimme setzt er Wort an Wort.“

Das ist nicht etwa ein Best-of der vergangenen Monate, diese Beispiele stammen allesamt aus der letzten Ausgabe. Die Fake-Reportagen sind das Markenzeichen der Redaktion. All das, was schon längst oder auch nie passiert ist, serviert sie in Echtzeit. Und fürs Grande Finale haben die Mitarbeiter noch einmal üppig aufgefahren: Schaut her, bis zum Schluss schwitzen unsere Reporter mit, wenn Karlheinz Böhm durch kenianisches Wüstengebiet wandert.

Doch nicht nur Freunde von lebhaften Klatschartikeln müssen sich ab sofort nach einer Alternative umschauen, sondern auch die Laufhausbetreiber und Puffbesitzer der Republik. Denn die inserieren seit Jahrzehnten in der sonst so biederen „Heim und Welt“. Das Blatt ist zum Zentralorgan der Branche gewachsen. Aktuell sucht ein „Privatclub in Güsterloh“ nach „netten Damen“ und ein „Top Sauna Club in München“ braucht „noch Mädels“. Eine ganze Doppelseite mit Erotik-Anzeigen. Und mittendrin Werbung für Peta und den Nabu. Was für eine Mischung!

Hach, „Heim und Welt“, wir werden dich nicht vermissen.

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