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Yanis Varoufakis bei Günther Jauch : „Der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren"

Die Schalte des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis zu Günther Jauch hat ein Nachspiel: Es geht um das Video mit dem Stinkefinger. Ist es echt oder unecht? Moderator und Minister widersprechen sich.

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Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis
Der griechische Finanzminister Yanis VaroufakisFoto:Yannis Kolesidis/ dpa

Viel Aufregung um die Talkshow am Sonntagabend. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis als zugeschalteter Gast bei "Günther Jauch". Jener sagte, ein in der Sendung präsentiertes Video, das ihn mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt, sei manipuliert worden. Die Redaktion von „Günther Jauch“ teilte am Montag allerdings mit, dass sie durch mehrere Netzexperten die Echtheit dieses Videos prüfen ließe. „Nach bisherigem Kenntnisstand kann die Redaktion von ,Günther Jauch’ keinerlei Anzeichen von Manipulation oder Fälschung in dem während der Live-Sendung gezeigten Video feststellen.“

In dem betreffenden Ausschnitt ist Varoufakis bei einem Vortrag im Jahr 2013 in Zagreb zu sehen: "My proposal was that Greece should simply announce that it is defaulting - just like Argentina did - , within the Euro, in January 2010, and stick the finger to Germany and say: "Well, you can now solve this problem by yourself." Während dieser Aussage ist Varoufakis im Video zu sehen, wie er den Mittelfinger zeigt.

Varoufakis betonte am Montag dagegen nochmals, das Video sei gefälscht. „Es ist der beklagenswerte Versuch, eine TV-Show zu torpedieren, in der ich versucht habe, dem deutschen Publikum eine Hand der Freundschaft anzubieten“, sagte der Minister laut „Spiegel Online“. „Es ist unvorstellbar, dass sie nicht wussten, dass das Video gefälscht wurde.“ Das Video sei eine Fälschung, der ausgestreckte Mittelfinger hineinmontiert. Er könne das auch beweisen. Er warf der Sendung vor, „Dynamit“ in die deutsch-griechischen Beziehungen zu streuen.

Nach der Sendung am Sonntagabend räumte NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz auf Twitter ein, dass man in der Sendung deutlicher hätte hervorheben müssen, dass sich Varoufakis auf 2010 bezog.

Varoufakis als Argument zum Einschalten

Und das war nicht die einzige Irritation der Sendung: Zugeschaltet aus Athen wurde Yanis Varoufakis direkt als „Euro-Schreck“ vorgestellt - und das war noch harmlos formuliert im Vergleich zu anderen Titulierungen, die der Mann, seit knapp sieben Wochen griechischer Finanzminister, bekommen hat. Andererseits: Wie hieß sein Vorgänger? Und wie heißt der französische Finanzminister? Waren die mal bei Jauch? Selbst Gegner von Varoufakis müssen zugeben, dass der Mann etwas in Bewegung gesetzt hat. Und so war er auch am Sonntagabend so etwas wie der Stargast, und die anderen Gäste dienten nur als Staffage, als Stichwortgeber. Das mag für die Gäste unangenehm gewesen sein – für die Zuschauer war es das nicht, denn die schauten sich Jauch nicht wegen Markus Söder an, sondern weil sie sehen wollten, was das denn nun für einer ist, der Yanis Varoufakis.

Bei Günther Jauch zeigt sich Yanis Varoufakis als Mustereuropäer

Es gehört zum Wesen der Talkshow, dass man das auch nach einer Stunde Sendung nicht weiß. Es gehörte diesmal aber zum Wesen der Talkshow „Günther Jauch“, dass man nach einer Stunde vielleicht etwas sensibler gegenüber einer gewissen „Griechenhetze“ gewisser Zeitungen ist. Denn dieser Varoufakis, der zeigte sich nicht als Irrer oder als Rebell oder als Wüterich – der zeigte sich, manchmal arg übertrieben, als Muster-Europäer, und er zeigte sich als jemand, der Verantwortung für sein Land und für seine Wähler tragen will – und nicht so sehr für Deutschland und die deutschen Wähler, was Markus Söder nicht so ganz verstand.

Söder verstand auch nicht, warum Varoufakis so viele Interviews gibt: Tatsächlich war er am Sonntag bereits im griechischen Fernsehen zu sehen, da trug er Lederjacke und T-Shirt, im deutschen Fernsehen dann allerdings Hemd und Sakko, als ob er wüsste, was sonst wieder los wäre. War ja schon was los, als in der „Paris Match“ eine unglückliche Homestory über ihn erschien – immerhin sprach Söder ihn darauf nicht an, obwohl der ja mit unglücklichen Homestorys so seine Erfahrungen hat. Eigentlich sprach nur Jauch Varoufakis direkt an, er konfrontierte ihn mit schlechten Meinungswerten und mit Zuschauerfragen, und Yanis Varoufakis antwortete auf Englisch. Er sagte zum Beispiel, dass die griechischen Liquiditätsprobleme „unbedeutend“ seien und verwies dabei auf das „Ideal Europa“. Da schien er wie ein Finanzminister, der Geld verachtet und an etwas Höherem interessiert sei; und das klang tatsächlich überraschend.

Er sagte auch, er wolle gerne Dinge, die nicht funktioniert haben, beenden. Das klang sogar vernünftig, allerdings nicht für Ernst Elitz, der auch eingeladen war, weil wohl sonst von der „Bild“ niemand wollte. Elitz fiel in den vergangenen Wochen mit populistischen Kommentaren auf, bei Jauch sagte er, Varoufakis habe wohl „Weichspüler“ getrunken – vielleicht hatte der aber auch nur keine Lust mehr auf das mediale Rumgezicke, das ja auch nicht wahnsinnig zielführend war. Söder aber zickte noch ein bisschen rum, meinte, dass sich die Griechen nicht an Spielregeln halten würden, und dass man so nicht mit deutschen Regierungsmitgliedern umgehen könne. Die Journalistin Ulrike Herrmann jedoch tat der Runde deshalb gut, weil sie nüchtern über die Lage der Dinge sprach und feststellte, dass die Griechen ihre Schulden niemals zurückzahlen werden, und dass es jetzt darum gehen müsse, die Probleme der Gegenwart zu lösen. Varoufakis gab zu, dass das schon schwer genug sei. Er sagte außerdem, dass er Wolfgang Schäuble niemals beleidigt habe und dass dieses Video, in dem er angeblich Deutschland den Mittelfinger zeigt, eine Fälschung sei.

Die dumme Hetze gegen Griechenland

Und der große Trick von Yanis Varoufakis ist, dass man ihm glaubt. Man glaubt ihm auch, wenn er sich von dem griechischen Verteidigungsminister distanziert, der in der vergangenen Woche allerhand Unsinn von sich gegeben haben soll. Und vielleicht glaubt man Varoufakis, weil er anders angezogen ist und anders spricht als all die Politiker, die man seit Jahren in deutschen Talkshows sieht. Vielleicht will man ihm auch glauben, weil man sich eben auch ein bisschen schämt für diese ganze dumme Hetze gegen ihn und gegen Griechenland. Und deshalb will man auch Ulrike Herrmann glauben, wenn sie sagt, dass Griechenland eigentlich reich genug sei, um seine Probleme in den Griff zu bekommen, dass aber die 320 Milliarden Euro Schulden halt weg seien,und es auch kein neues Geld für Griechenland geben solle, um damit diese Schulden zu bezahlen. Und obwohl Varoufakis dann erklärte, wie die griechische Regierung diese Probleme in den Griff bekommen will, meinte Söder, dass Griechenland „der Kittel“ brennen würde und dass die sich jetzt helfen lassen müssten – und damit machte er aus einer guten Talkshow wieder eine Talkshow.

Aber weil das ja alles nicht reicht und man von manchen Dingen anscheinend nicht genug bekommt, geht es Montagabend bei Frank Plasberg um: Griechenland. Titel der Sendung: „Pleite, beleidigt und dreist – hat Griechenland dieses Image verdient?“ Nach „Günther Jauch“ lautet die Antwort eigentlich: „Nö.“ Aber so einfach geht das natürlich nicht.

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