ZDF-Film : Das Ende der bunten Spiele

Der Teamworx-Film "München '72 - Das Attentat" arbeitet erneut ein deutsches Nachkriegstrauma auf. Die Rollen wurden mit israelischen und palästinensischen Schauspielern besetzt.

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Geiselnahme im Olympischen Dorf. Der Palästinenser Issa (Shredi Jabarin, re.) verhandelt mit Innenminister Hans-Dietrich Genscher (Stephan Grossmann, Mitte). Foto: ZDF
Geiselnahme im Olympischen Dorf. Der Palästinenser Issa (Shredi Jabarin, re.) verhandelt mit Innenminister Hans-Dietrich Genscher...

Sie sollten der Welt das neue, freundliche Deutschland zeigen. Doch die Olympischen Sommerspiele 1972 gingen in Tod und Terror unter. Zahlreiche Filme haben sich mit der blutigen Geiselnahme der israelischen Olympiamannschaft durch palästinensische Terroristen beschäftigt: „Ein Tag im September“, „Der Olympia-Mord“ oder „München“ von Steven Spielberg. Mit „München 72 – Das Attentat“ tritt nun eine deutsche Spielfilmproduktion auf den Plan, um von dieser – wie es heißt – „Stunde null des internationalen Terrorismus“ zu erzählen. Wer wäre als Produzent besser dafür geeignet als Nico Hofmann. Der Chef der Firma Teamworx gibt seit Jahren den historischen Kristallisationspunkten ein filmisches Gesicht: „Dresden“, „Stauffenberg“, „Der Tunnel“, „Hindenburg“, „Dutschke“, „Mogadischu“. Der Großteil davon sind Quotenhits, einige Fernsehpreise hat es schon dafür gegeben. Stets geht es um „ein wegweisendes und dramatisches Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte“ (O-Ton Hofmann). So auch diesmal. Regie führte der in Tel Aviv geborene Dror Zahavi, der seit Jahren in Deutschland Filme macht.

„München 72“ ist in mancher Hinsicht anders. Er ist kein Starvehikel (weder Veronica Ferres noch Maria Furtwängler spielen mit), kein Action-Kracher, keine Liebesschmonzette, sondern das Zeitgeistporträt eines Landes, das auf erstaunlich naive Art den internationalen Terrorismus kennenlernt. In den frühen Morgenstunden des 5. September 1972 stürmen acht Mitglieder der palästinensischen Organisation „Schwarzer September“ mit Sturmgewehren die Quartiere des israelischen Olympiateams und nehmen elf Männer als Geiseln, zwei davon sterben bereits hier. Die Sicherheitsbedingungen während der Olympischen Spiele waren bewusst locker gehalten worden, um die positive Veränderung zu demonstrieren, die sich in Deutschland seit den Spielen 1936 vollzogen hatte. Die 4000 Sicherheitsleute trugen zwar schicke Uniformen, waren aber nicht bewaffnet. Zur Deeskalation eventueller Konflikte waren Bonbonkanonen und bunte Plüschdackel vorgesehen.

Manches davon ist schwer zu glauben. Etwa dass im Vorfeld ein Polizeipsychologe in einer Besprechung mit dem bayerischen Polizeipräsidenten, den Heino Ferch spielt, ein Szenario entwirft, das den späteren Ereignissen fast genau entspricht und das von der Polizei als zu unrealistisch weggewischt wird. Das ist ein bisschen gemein, denkt man da. Doch Drehbuchautor Martin Rauhaus („Die Luftbrücke“) versichert, dass es sich laut Aktenlage genau so zugetragen hat. Die vielen Fehler, die nach der Geiselnahme auf der Seite der deutschen Behörden passierten, sind oft beschrieben worden. Doch die Figuren hier noch einmal in ihrer Hilflosigkeit, ihrem Unvermögen, aber auch in ihrer Arroganz zu sehen, das hat einen besonderen Effekt. Erstaunlicherweise fiebert man bis zum Schluss mit und hofft, wider besseres Wissen, dass das Ganze gut ausgehen möge.

Auf dem Flughafen in Fürstenfeldbruck, wohin man Terroristen und Geiseln mit zwei Hubschraubern gebracht hatte, um sie angeblich nach Kairo auszufliegen, endet das Drama im Fiasko. Alle Geiseln sterben. „Einer der Hauptfehler war der Ortswechsel vom Dorf nach Fürstenfeldbruck“, sagt General a. D. Ulrich K. Wegener, der damals Adjutant von Innenminister Hans-Dietrich Genscher war und der kurz darauf die Spezialeinheit GSG 9 gründete. Er hat das Produktionsteam beraten, wie auch zuvor bei dem Film „Mogadischu“, in dem es um die Befreiung der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 durch die GSG 9 geht. Wegener sagt über „München 72“: „Es ist alles sehr realistisch dargestellt.“

Um Authentizität ging es auch Regisseur Zahavi, der – anders als Spielberg – im Olympischen Dorf drehen durfte und der die palästinensischen Rollen mit palästinensischen Schauspielern und die israelischen mit israelischen besetzte. „Ich hatte zunächst gar nicht die Dynamik am Set im Sinn“, sagt der 53-Jährige, „Ich wollte einfach, dass sich 20 junge Leute, die sich normalerweise nur als eine graue Masse von zu bewachenden Menschen beziehungsweise von Unterdrückern begegnen, die Chance bekommen, einander kennenzulernen.“

„München 72 – Das Attentat“, ZDF, Montag 20 Uhr 15, ZDF; „München 72 – Die Dokumentation“, 21 Uhr 50

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