Zu meinem ÄRGER : Totschweigen gilt nicht

Das Chaos um die G-20-Presseakkreditierungen, Trumps Umgang mit der Alt-Right-Bewegung: DJV-Chef Frank Überall ordnet für den Tagesspiegel die Medienwoche ein.

Frank Überall ist seit Ende 2015 Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Foto: Anja Cord/Promo
Frank Überall ist seit Ende 2015 Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV).Foto: Anja Cord/Promo

Herr Überall, worüber haben Sie sich in den Medien in dieser Woche am meisten geärgert?

Sechs Wochen nach dem G-20-Gipfel in Hamburg scheint die zumindest teilweise willkürliche Aussperrung von 32 Journalisten kaum noch ein Thema zu sein. Die Behörden verzögern die Aufklärung. Ich habe den Eindruck, dass da auf Aussitzen gesetzt wird, damit sich die Öffentlichkeit irgendwann nicht mehr für die Tatsachen interessiert. Und ich befürchte, dass bald noch mehr Fälle bekannt werden, in denen sich Behördenchaos als der wahre Grund für den illegitimen Entzug von Akkreditierungen herausstellt. Das gefährdet die Pressefreiheit. Das dürfen wir nicht zulassen – auch wenn das Bundeskriminalamt inzwischen selbst von Fehlern spricht.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Ja, über die ausführliche, differenzierte und hintergründige Berichterstattung anlässlich der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Sein Hass richtet sich offenbar nicht nur gegen die Medien. Seine Liebe gilt offenbar nicht nur seinem Land. Er liebäugelt mit neonazistischem Gedankengut und schützt Gruppen, die solches vertreten. In deutschen Medien gab es darüber keine Hysterie, sondern sinnvolle Einordnungen, die die gesellschaftliche Gefahr eines solchen Denkens deutlich gemacht haben. Das gilt übrigens auch für so manchen Verbalausfall bei der sogenannten Alternative für Deutschland. Totschweigen gilt nicht – professionelle Medien müssen sich mit den zum Teil provokativen populistischen Argumenten ernsthaft auseinandersetzen und sie, wo es notwendig ist, ad absurdum führen.

Welches Internetvideo empfehlen Sie?

So wichtig die ernsthafte Auseinandersetzung mit abstrusen politischen Ideen ist, tut es manchmal auch gut, sie schlicht im Licht der Satire zu würdigen. Das gilt auch und gerade für den Rechtsextremismus, der aus meiner Sicht nicht (wieder) salonfähig werden darf. Das Satire-Video unter www.youtube.com/watch?v=V0g6ShgyTRU ist für mich ein Klassiker des humorvollen Umgangs damit.

Frank Überall ist seit Ende 2015 Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV).

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