Zuckerberg, eine Krake : Antisemitismus-Vorwurf nach "SZ"-Karikatur

Das Wiesenthal-Zentrum hat die „Süddeutsche Zeitung“ wegen einer Karikatur des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg scharf kritisiert. Der Zeichner wehrt sich gegen die Vorwürfe.

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Vorher, nachher. In den Freitagsausgaben der "SZ" vom 21. Februar ist die Karikatur von Burkhard Mohr in zwei Versionen erschienen, links die erste, rechts die überarbeitete.
Vorher, nachher. In den Freitagsausgaben der "SZ" vom 21. Februar ist die Karikatur von Burkhard Mohr in zwei Versionen...Foto: Ausriss "SZ" 21.2.2014

Das Wiesenthal-Zentrum hat die „Süddeutsche Zeitung“ wegen einer Karikatur des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg scharf kritisiert. „Ohne Zweifel riecht diese Karikatur nach Antisemitismus“, sagte der Leiter Efraim Zuroff am Dienstag. Er bezog sich dabei auf eine Zeichnung, die Zuckerberg als Krake mit Hakennase zeigt, der das Internet kontrolliert. Eine Sprecherin der „Süddeutschen“ erklärte, die kritisierte Karikatur sei in der Ausgabe vom Freitag nur in einem kleinen Teil der Fernauflage erschienen. Der Karikaturist Burkhard Mohr habe sie selbst noch einmal überarbeitet, so dass in mehr als 90 Prozent der Auflage die überarbeitete Zeichnung erschienen sei. Diese zeigt statt eines Gesichts ein leeres Fenster. Burkhard Mohr sagte, er sei „erschüttert, dass eine meiner Karikaturen nun in diesem Licht erschienen ist“. Antisemitismus und Rassismus seien ihm völlig fremd.

„Zuckerberg hat gar keine große Nase"

Mehrere israelische Medien berichteten über die Zuckerberg-Karikatur, das Zweite Israelische Fernsehen fragte auf seiner Webseite: „Antisemitismus in Deutschland?“ Zuroff sagte der Agentur dpa: „Das ist einfach klassisch: Der Jude will die Kontrolle der ganzen Welt an sich reißen.“ Es handele sich um eine fast exakte Kopie einer Nazi-Karikatur aus dem Jahre 1938, die einen Kraken mit Davidstern zeigt, der die Weltkugel umschlingt. Er empfinde die Zeichnung als schockierend, sagte Zuroff. „Zuckerberg hat gar keine große Nase, aber in der Karikatur ist sie sehr betont.“ Die Hakennase sei ein typisch jüdisches Stereotyp in antisemitischen Karikaturen. „Es ist klar, dass der Zeichner betonen wollte, dass Zuckerberg Jude ist.“

Dass ausgerechnet die „Süddeutsche Zeitung“ als ein Flaggschiff der deutschen Medien so etwas veröffentliche, sei wirklich unter aller Kritik, sagte Zuroff. Die Zeitung war bereits im vergangenen Jahr wegen der Veröffentlichung einer Karikatur in die Kritik geraten, die Israel als gefräßiges Monster darstellte. Mohr erklärte, er habe mit der Karikatur zur WhatsApp-Übernahme durch Facebook „eine überspitzte Zeichnung Mark Zuckerbergs in Kombination mit der Krake aus dem Film ,Fluch der Karibik’ dargestellt“. Ihm sei nicht aufgefallen, dass dies „wie eine antijüdische Hetz-Zeichnung aussieht“. Es tue ihm sehr leid, „dass es zu diesem Missverständnis gekommen ist und ich womöglich die Gefühle von Teilen der Leserschaft mit meiner Zeichnung verletzt habe“. Joachim Huber (mit dpa)

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