Medien : Zwischen Gandhi und Hitler

Hendrik Feindt

Die Geschichte Indiens, und die seines Kampfes für die Unabhängigkeit, ist mit der Politik Nehrus und Gandhis verbunden. Der Name eines Dritten im Bunde, der Name von Subhas Chandra Bose (1897–1945), wurde hingegen von offizieller Seite lange verdrängt: Bose hatte eine andere, eine militantere Politik verfolgt als die von Gandhi propagierte Idee eines gewaltfreien Widerstands gegen die britische Kolonialmacht. Wie also hatte man sich gegen Fremdherrschaft zu wehren? Die Frage wäre von durchaus aktueller Brisanz. Die Dokumentation „Der Pakt mit dem Teufel – Boses Kampf um Indiens Unabhängigkeit“ von Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann sucht eine Antwort.

Bose war damals für seine Zwecke eine mehr als dubiose Allianz eingegangen: Der Inder flüchtete 1941 von Kalkutta in die Deutsche Gesandtschaft nach Kabul, gelangte von dort nach Berlin und hatte in Sachsen mit den Mitteln der Wehrmacht die „Indische Legion“ in Regimentsstärke ausbilden lassen, um sie gegen das britische Heer in Indien einzusetzen. Sein Protektor schien vor allem Heinrich Himmler gewesen zu sein. Der Feind seines Feindes sei sein Freund, lautet das Motto dieser Politik, das bis heute gern kolportiert wird. Von rücksichtslosem Opportunismus wollen Freyhoff und Uhlmann aber nicht sprechen.

Da gerät der historische Rückblick in die Gefahr zu beschwichtigen. Die Gesprächspartner, die zu Wort kommen, sind überwiegend Familienangehörige, sind Leiter eines Hausmuseums zum Andenken Boses oder jüngere Parteigänger. Kaum ein Wort der Kritik oder der Skepsis – selbst ein Major der Bundeswehr spricht noch heute von „unserem“ Interesse, 1941 Unruhe in Indien verbreiten zu wollen. Und da paßt es ins Bild, dass in der Dokumentation nie davon die Rede ist, dass Bose sich 1939 gegen die Aufnahme verfolgter Juden in Indien ausgesprochen hatte.

„Der Pakt mit dem Teufel“, Arte,

20 Uhr 40

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