Rassenunruhen in den USA : Reverend Al Sharpton bläst zum Marsch auf Washington

„No justice“, stimmt er an. „No peace“, antwortet der Chor. Viele schwarze Amerikaner setzen ihre Hoffnung auf Al Sharpton aus New York. An diesem Sonnabend hat der Reverend einen Marsch auf Washington angekündigt. Aber die Demo soll nur ein Anfang sein.

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Reverend Al Sharpton ruft zum Marsch auf Washington auf.
Mahnende Worte. Um die ist Reverend Al Sharpton nie verlegen. Der Bürgerrechtler geht mittlerweile auch im Weißen Haus ein und...Foto: Brendan McDermid/Reuters

Ein Bild von Martin Luther King Junior hängt gleich hinter ihm an der Wand. Streng blickt der Bürgerrechtler in Richtung des Mikrofonpults. Dorthin, wo ein schmächtiger Herr in feinem Anzug steht, das schwarze Haar nach hinten gekämmt und leicht ergraut. Reverend Al Sharpton, 60 Jahre alt, Baptistenprediger und Bürgerrechtler, stimmt einen Singsang an. „No justice“, sagt er. „No peace“, antwortet ihm der Saal. No justice, no peace, no justice, no peace. Die Zuhörer umarmen sich.

Es ist der vergangene Samstag, als vormittags die wöchentliche „Ralley“ des Pastors im New Yorker Stadtteil Harlem stattfindet, eine Art privater Predigt, die über einen Internet-Livestream im ganzen Land zu verfolgen ist. Im Jahr 1991 hat Al Sharpton das „National Action Network“ (NAN) gegründet, das mittlerweile zu einer der wichtigsten Bürgerrechtsbewegungen der Vereinigten Staaten geworden ist. Sharpton agitiert, er mobilisiert. Nicht überall macht er sich damit Freunde, doch heißt es, der Präsident Barack Obama vertraue auf ihn als Kontakt zur afro-amerikanischen Gemeinde.

Früh um fünf Uhr soll es losgehen

Für diesen Samstag hat Sharpton einen Marsch auf Washington angekündigt. Der Saal in Harlem ist Hauptquartier seiner Bewegung, das NAN stellt kostenlose Busse für alle zur Verfügung, die mit in die Hauptstadt fahren wollen. Früh um fünf Uhr soll es losgehen.

In allen großen Städten der USA demonstrieren seit Wochen zehntausende Schwarze und Weiße gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt. Laut einer Untersuchung der Journalismus-Plattform „Pro Publica“ ist das Risiko für junge schwarze Männer, von einem Polizisten erschossen zu werden, 21 mal höher als für einen jungen weißen Mann. Die Schützen hingegen kommen oft ungestraft davon. Vier männliche Schwarze sind der Polizeigewalt in diesem Jahr zum Opfer gefallen.

Der 18-jährige Michael Brown wurde in Ferguson (Missouri) erschossen.

Der 43-jährige Eric Garner starb auf Staten Island im Würgegriff eines New Yorker Polizisten.

Der 12-jährige Tamir Rice hantierte mit einer Spielzeugpistole, als ein Polizist in Cleveland ihn erschoss.

Der 28-jährige Akay Gurly ging nachts durch ein unbeleuchtetes Brooklyner Treppenhaus – und wurde erschossen.

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