Legendärer britischer Cocktail : Pimm's Cup - der Sommerdrink des Jahres

Introducing: Pimm’s. Der Drink ist ein Sommerklassiker in Wimbledon und Chelsea – und bald auch in Berlin. Der Barchef des Regent hat eigens für uns drei Cocktails kreiert.

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Benjamin Sperling ist Bar-Chef im Regent am Gendarmenmarkt.
Benjamin Sperling ist Bar-Chef im Regent am Gendarmenmarkt.Foto: Mike Wolff

Dale Carr kannte Pimm’s schon lange vor ihrem ersten Drink: aus dem Sportfernsehen. Ihre Mutter, vernarrt in Wimbledon, verfolgte das Tennisturnier am heimischen Fernsehapparat in Sheffield, und so sah Carr als Kind Jahr für Jahr jede Menge Fans auf den Tribünen, die an einem rötlich-braun schimmernden Getränk aus Plastibechern nippten. In Wimbledon ist Pimm’s Cup – ein Longdrink aus Ginger Ale oder Limonade, Eis, Zitrone, Gurke, frischen Früchten und nicht zuletzt dem Kräuterlikör Pimm’s No. 1 – offizieller Drink.

Heute ist Carr, die seit Ende der 70er Jahre in Berlin lebt, Besitzerin der „Broken English“-Läden in Kreuzberg und Charlottenburg, wo sie neben Teekannen, Küchenhandtüchern und Büchern vor allem Lebensmittel aus ihrer Heimat verkauft. Und jeden Sommer ist es das gleiche Spiel: Mit der ersten Hitze kommen Kunden, die Pimm’s wollen.

Auf Gartenfest wird der "Pimm's Cup" in Krügen serviert

Dale Carr versteht das gut, auch bei ihr steigt mit den Temperaturen zuverlässig die Lust auf ein Glas. Pimm’s Cup sei „einfach schön“, sagt sie mit leichtem Akzent und unüberhörbarer Begeisterung. Schön anzusehen, weil farbenfroh, und dank des niedrigen Alkoholgehalts (etwa dem eines Biers) schön leicht zu trinken, besonders an warmen Tagen. Einfach zuzubereiten ist der Drink auch, selbst für viele Leute, und deshalb eine Alternative zur Bowle. Auf Gartenfesten wird er in Krügen serviert. „Das erste Mal probiert habe ich ihn mit 17“, erzählt Carr. „Seitdem hat sich an der Popularität von Pimm’s in Großbritannien nichts verändert. Dieser Drink kommt genauso wenig aus der Mode wie Tee.“

In Deutschland steht dem Likör, der 25 Prozent Alkohol hat, und dem darauf basierenden Cocktail ein erfolgreicher Sommer bevor. Supermärkte haben Pimm’s No. 1 inzwischen ins Sortiment aufgenommen. In Berlin gibt es den Kräuterlikör unter anderem bei Ullrich am Zoo, Edeka Südkreuz hat ihn gerade bestellt, und im KaDeWe oder bei Galeria Kaufhof steht er sowieso im Regal. Die Flasche kostet 15 Euro aufwärts.

Benjamin Sperling beobachtet ein gesteigertes Interesse. „Schon seit zwei, drei Jahren“, sagt der Barchef des Regent am Gendarmenmarkt. „Zumal viele genug haben von Hugo und Aperol Spritz, den sommerlichen Trend-Getränken der letzten Zeit.“ Das Fünf-Sterne-Hotel bespielt im Sommer eine Terassenbar im Innenhof, an der Gäste gern mal einen Pimm’s Cup bestellen. Als erfrischend und fruchtig lobt Sperling den Drink. „Und man kann gut damit experimentieren.“ Eigens für den Tagesspiegel hat er drei Cocktails kreiert: einen klassischen mit Champagner und zwei neue, von ihm erdachte Varianten.
Erfunden wurde Pimm’s No. 1 im Jahr 1823 – von James Pimm, dem Sohn eines Bauern aus Kent. Er betrieb eine Austern-Bar in der Nähe des Buckingham Palace, die beliebt war bei der königlichen Familie und überhaupt bei den dandiest city gents, wie es im Buch „Gin – A global history“ von Lesley Jacobs Solmonson heißt. Ebenjener Gin ist Basis für den Likör, zusammen mit Kräutern und Gewürzen. Die genaue Zusammensetzung kennen bis heute angeblich nur ein halbes Dutzend Leute. Zu einer Zeit, als die Gin-Kultur wenig verfeinert war, leistete Pimm mit seiner Kreation einen Beitrag dazu, den Wacholderschnaps „respektabel“ zu machen, schreibt Solmonson. Vom Rauschmittel der Massen hin zur Spirituose für middle und upper class.

Die Produktion in großem Maßstab begann in den 1850er Jahren. Pimm’s No. 1 wurde bald in alle Ecken des britischen Weltreichs geliefert: nach Colombo auf Sri Lanka, wo man den Drink im edlen Galle Face Hotel servierte, ebenso wie in den Sudan, wo ihn Ende des 19. Jahrhunderts die Soldaten der anglo-ägyptischen Armee unter Lord Kitchener genossen.

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