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Abhörstation erforscht : Das Buch zum Berg

15.06.2013 00:00 Uhrvon
Rettet die Ruinen. Das wünschen sich die Buchautoren Robert Haesecke-Diesing (links) und Katharina Beckmann sowie Investor Hartmut Gruhl.Bild vergrößern
Rettet die Ruinen. Das wünschen sich die Buchautoren Robert Haesecke-Diesing (links) und Katharina Beckmann sowie Investor Hartmut Gruhl. - Foto: Cay Dobberke

Die geheimnisvolle Abhörstation auf dem Teufelsberg wurde von TU-Studenten erforscht. Zusammen mit dem Verein „Berliner Unterwelten“ haben sie ein Buch herausgebracht, um die geschichtliche Bedeutung der Ruinen zu zeigen.

Der Zeitpunkt passt, ist aber Zufall: Während weltweit über das Internet-Überwachungsprogramm der US-Geheimdienste diskutiert wird, ging es am Freitag auf dem Teufelsberg im Grunewald um die dortige ehemalige Abhörstation. Von 1961 bis 1992 hatten Amerikaner und Briten den Funkverkehr in damaligen Ostblockstaaten belauscht. Nach dreijährigen Forschungen haben vier Absolventen des TU-Masterstudiengangs Denkmalpflege und der Stadterkundungsverein „Berliner Unterwelten“ nun ein Buch über die mysteriöse „Field Station Berlin“ vorgestellt – und nachdrücklich gefordert, dieses verfallende Relikt des Kalten Kriegs zum Baudenkmal zu erklären.

Das Buch solle die „Vielschichtigkeit des Ortes für künftige Generationen dokumentieren“, sagte Mitautorin Katharina Beckmann. Zur geschichtlichen Bedeutung gehöre, dass die Nationalsozialisten an gleicher Stelle einst mit dem Bau einer „Wehrtechnischen Fakultät“ begonnen hatten – und über diesen Rohbauten nach dem Zweiten Weltkrieg der Berg aus Häusertrümmern aufgeschüttet wurde. Eine neue Messung hat übrigens gezeigt, dass der Berg gut fünf Meter mehr misst als bisher gedacht und mit 120,1 Metern die höchste Erhebung Berlins ist.

Die Abhöranlage sei das „wichtigste große Ohr“ der US-Spione gen Osten gewesen, sagte Beckmanns Autorenkollege Robert Haesecke-Diesing. Die Reichweite der Antennen in den weißen Kuppeln habe bis kurz vor Moskau gereicht.

Die Autoren räumen mit Mythen auf. Beckmanns „Lieblingslegende“ lautet, die Nazis hätten eine unterirdische U-Boot-Testanlage betrieben; dafür gibt es aber keine Indizien. Gemunkelt wurde auch über einen Bunker, in dem die Mitarbeiter der späteren Militäranlage bei einem Angriff Schutz gesucht hätten. Doch die Recherchen ergaben, dass die Station sofort geräumt und in die Luft gejagt worden wäre. Es gibt wohl auch nicht den Schacht, der ganz nach unten zu den Rohbauresten der Wehrtechnischen Fakultät führen soll. Das sei unmöglich, weil die Trümmer im Berg bis heute in Bewegung seien, erklärten Baustatiker den Autoren.

Das Buch basiert auf der Abschlussarbeit der Denkmalpfleger an der TU, für die sie anfangs „in absoluter Finsternis“ mit Taschen- und Helmlampen sowie Schutzanzügen unterwegs waren. Die Uni vergab die Top-Note 1,0. Zudem ging die Studie dem Landeskonservator zu. Denn dessen Behörde prüft einen Denkmalschutzantrag, den die Grundstückseigentümer um den Kölner Architekten Hartmut Gruhl mit Unterstützung des Bezirks gestellt hatten. Nach dem Scheitern mehrerer Bauprojekte plant Gruhl, den Hauptturm oben für ein Lokal mit Veranstaltungsräumen zu verglasen; denkbar sei auch ein Museum. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf lädt ab August zum „Runden Tisch“ zur Zukunft des Bergs ein.

- Katharina Beckmann, David Derksen, Robert Haesecke-Diesing, Florian Leitner: „Field Station Berlin – Geheime Abhörstation auf dem Teufelsberg“. Edition Berliner Unterwelten, 144 Seiten mit 121 Bildern; 19,90 Euro.

Bereits vor zwei Jahren erschien „Der Berliner Teufelsberg. Trümmer, Truppen und Touristen“ von Klaus Behling und Andreas Jüttemann im Berlin Story Verlag (5 Euro).

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