Adventsfreuden : Kein Weihnachten ohne Pyramide

Zwischen Hiddensee und dem Erzgebirge: Eine Ausstellung in Dahlem zeigt rund 100 Weihnachtspyramiden aus ganz Deutschland

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Prächtig. Auf Hiddensee schmückte einst dieser Bügelbaum die Stube.
Prächtig. Auf Hiddensee schmückte einst dieser Bügelbaum die Stube.Foto: Thilo Rückeis

Die Gestellbögen kunterbunt umwickelt mit wild wuschelndem Papier, darauf todesmutig die Kerzenhalter gesteckt, dazwischen dicht an dicht Ketten gehängt, üppig geschmückt mit Korinthen, vergoldeten Walnüssen und Pfefferkuchen – das ist der Hiddenseer Bügelbaum. Eine prächtige Variante der Weihnachtspyramide, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so nur auf der Ostseeinsel als Stubenschmuck zum Christfest entwickelt hat. Da standen nämlich damals bei Bürgersleuten wie auch bei Arbeitern vor dem flächendeckenden Einzug des Tannenbaums noch aus Holz, Papier oder auch Metall gefertigte Leuchtgestelle. Und nicht alle sehen so wie die im Erzgebirge fabrizierten Modelle mit ihren durch Kerzenwärme angetriebenen Flügelrädern aus.

Das zeigt die an diesem Freitag im Museum Europäischer Kulturen startende Ausstellung „Weihnachtspyramiden – Tradition und Moderne“ anhand von rund 100 Pyramiden aus dem Erzgebirge, aus Bayern, Norddeutschland, der Lausitz oder dem Brandenburgischen Bernau. Da wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Weihnachtspyramide „Berliner Manier“ gefertigt. Ein mit Buchsbaum umwickeltes Gestell mit vier Streben, wo sich auf vier Etagen biblische Gestalten tummeln, unten umhegt von einem soliden grünen Gartenzaun. Das ist der sogenannte Paradiesgarten, der die Weihnachtsgeschichte symbolisch mit der christlichen Schöpfungsgeschichte verbindet. „Perjemiden“ nannten die Berliner diese statischen Gestelle, die auf den Weihnachtsmärkten des 19. Jahrhunderts für jeden Geldbeutel angeboten und mit Äpfeln und Trockenfrüchten geschmückt wurden. Handwerklich und visuell raffinierter fällt da das sächsische Brauchtum in der Seidenblumenstadt Sebnitz aus. Die hier zwischen 1850 und 1920 gefertigten, orientalisch inspirierten Schattenspiele sind eine ebenso interessante lokale Pyramidenvariante wie der Hiddenseer Bügelbaum. Da kreisen mit Scherenschnitten beklebte Papiertrommeln um eine innen installierte Lichtquelle. Weihnachten ganz wunderprächtig.

Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25 in Dahlem, bis 3. Februar, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, Eintritt: 6 Euro, bis 18 Jahre frei

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