Aktionskunst am vergangenen Wochenende : "Guerilla-Schaukeln" in Kreuzberg und Mitte

Warum sollte jemand rund 30 Schaukeln in Berlin aufhängen? Die Antwort: Einfach so.

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Foto: promo/ Einfach so
Lauschig. Zu zweit ist Schaukeln am Paul-Lincke-Ufer zwar weniger dynamisch, dafür aber romantischer.Foto: promo/ Einfach so

Morgens früh an der Oberbaumbrücke. Von den Stahlbögen der Arkaden baumeln Holzbretter an Seilen. Ein paar Tage lang konnte man hier, hoch über der Spree, schaukeln. Ebenso im Volkspark am Weinbergsweg in Mitte und auf dem Dreiländereck zwischen Kreuzberg, Neukölln und Alt-Treptow. Rund 30 Schaukeln hingen plötzlich an ungewöhnlichen Orten in Kreuzberg und Mitte. Einfach so. Das steht auch auf den Schaukeln: „Einfach so“. Es ist der Name der Gruppe, die hinter der Guerilla-Aktion steckt. Die Botschaft der 20 anonymen Künstler: Einfach mal machen. Mit öffentlichem Raum kreativ umgehen. Verantwortung zeigen. Und warum Schaukeln? „Alle mögen Schaukeln! Niemand hat etwas dagegen, jeder ist dafür“, sagt ein Mitglied.

Das Team von „Einfach so“ ist sich sicher, bei allen Schaukeln die „strengen Vorschriften der Berliner Spielplatzgesetzgebung, des Baumschutzes und des Straßen-und Wegerechts“ berücksichtigt zu haben. Lange haben sie an den Konstruktionen getüftelt, täglich prüft die Gruppe die Sicherheit der Schaukeln.

Die Aktion soll zeigen, dass man mit wenig Aufwand etwas schaffen kann, das vielen Freude macht. Veränderungen des öffentlichen Raums seien meist zerstörerisch und illegal. „Wir sind aber das Gegenteil von Vandalismus“, sagt der Schaukelbauer. „Die Behörden sind nicht unser Feind, wir möchten in einen Dialog treten und unbürokratisch mitgestalten.“ So wie bei bei dem Fahrrad, das kürzlich hoch oben am „Molecule Man“ nahe dem Treptower Park hing? Nein, das waren sie nicht, versichert er.

Mittlerweile sind zumindest die Schaukeln an der Oberbaumbrücke und am Weinbergspark wieder verschwunden. Dass die Schaukeln auf der Oberbaumbrücke entfernt wurden, ist für die Aktivisten keine Überraschung. Hier könnte sich verletzen, wer auf den Betonboden fällt. Doch für die Schaukel im Volkspark am Weinberg vermuten sie andere Hintergründe. „Die Seile wurden einfach durchgeschnitten – sieht nicht nach Ordnungsamt aus.“ Von Spielverderbern wollen sich die Schaukelbauer aber nicht kleinkriegen lassen. Weitere Aktionen sollen folgen. Gegen Nachahmer haben sie übrigens nichts: „Wenn du etwas machen kannst, mach es – aber richtig und verantwortungsvoll.“Helena Piontek

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