Alexanderufer : Straße ins Nirgendwo

Teuer aber überflüssig: Der Berliner Senat ließ eine Straße für 1,75 Millionen Euro bauen, die derzeit fast nutzlos ist. Das Alexanderufer ist nicht durchgängig für alle benutzbar.

Klaus Kurpjuweit

Die neue Straße führt ins Nichts. Sie endet abrupt, die Weiterfahrt ist nur Radfahrern erlaubt. Gebraucht wird sie – zumindest vorerst – auch nicht, Autos sind so gut wie nie unterwegs. Den Bau dieser derzeit überflüssigen Straße hat sich der Senat 1,75 Millionen Euro kosten lassen; finanziert aus dem Programm "Parlaments- und Regierungsviertel, Hauptstadt Berlin".

Einen Namen hat die Straße auch. "Alexanderufer" heißt die Verbindung zwischen dem Kapelle-Ufer und der Invalidenstraße in Mitte. Grundsätzlich werden im Bezirk neue Straßen nach Frauen benannt, doch hier konnte sich Alexander durchsetzen, weil es diesen Namen schon seit 1856 gab. Geehrt wird damit Alexander von Humboldt. Das alte Alexanderufer lag zu DDR-Zeiten im Grenzstreifen und wurde jetzt wieder hergestellt.

Deshalb gab es für den Bau auch kein aufwändiges Genehmigungsverfahren, den Planern reichte ein Bebauungsplan. Beschlossen worden war er 1998. Die Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgte fast zehn Jahre später im Jahr 2007. Die Stadtentwicklungsverwaltung nehme jedoch an, dass durch mögliche Einwendungen gegen den Neubau des Alexanderufers der Straßenverlauf nicht mehr geändert werden müsse, teilte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine Kleine Anfrage von Hämmerling mit.

Für die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling ist das neue Alexanderufer dagegen ein „Schwarzbau“, ähnlich wie die als Provisorium gedachte Nord-Süd- Straße zwischen dem Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus des Bundestages, die, wie berichtet, nach dem Willen des Kanzleramts dauerhaft bleiben soll.

Das neue Alexanderufer besteht aus zwei Abschnitten: einer öffentlichen Straße zwischen dem Kapelle-Ufer und dem Humboldthafen mit Radstreifen und Leuchten sowie einer "Uferpromenade" zwischen Humboldthafen und Invalidenstraße, die nur für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen ist. Poller versperren die Durchfahrt für Autos.

Hier sollte kein neuer Schleichweg für Autofahrer entstehen, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis. Und auch den Bau der Straße kann sie auch begründen. Die Verbindung steigere die Verkaufschancen für das Grundstück am Humboldthafen, das irgendwann einmal bebaut werden soll.

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