Alle Jahre wieder : Heißt es "an" oder "zu" ** Weihnachten?

Die Frage droht ganze Familien unter dem Tannenbaum zu entzweien: Heißt es nun "an" oder "zu" Weihnachten? Kollege Stefan Jacobs hat recherchiert.

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Wann gibt's eigentlich die Geschenke? An oder zu Weihnachten?
Wann gibt's eigentlich die Geschenke? An oder zu Weihnachten?Foto: dpa

Weihnachten ist laut einem alten Märchen das Fest der Liebe. Aber die possierlichen Flocken in der Überschrift verbergen nur mühsam, dass Krawall droht. Ein Leser kündigt Liebesentzug an für den Fall, dass der Tagesspiegel weiter „an Weihnachten“ schreibt. Das sei nämlich süddeutsch, aber Berlin sei norddeutsch, weshalb die Redaktion die hier übliche Formulierung „zu Weihnachten“ verwenden möge.

Also sind wir mal durch die Räume gegangen zwecks Stand- bzw. Laufpauke, haben „Moin Moin!“ gerufen – aber nur hier und da ein müdes „Servus“ oder „Grüß Gott“ zurückbekommen. Es ist nämlich so, dass viele Kollegen hier Migrationshintergründe haben. Und vordergründig sind die meisten gar nicht mehr im Büro, weil sie – Achtung! – Weihnachten freihaben.

Manche, die wegen dringend erwarteter Lieferungen von Amazon ohnehin zu Hause bleiben müssen, haben auf Facebook ein großes Palaver zum Thema veranstaltet, dessen wesentliche Erkenntnis nach 37 Beiträgen war, dass an Weihnachten alles zu ist. Ein paar Ruhrpöttler haben noch irgendeine sprachliche Frontlinie zwischen Gelsenkirchen und Dortmund ausgemacht, aber damit ist der Rubikon wirklich überschritten, wie unser jüngster Altbundespräsident zu sagen pflegt. Interessanter wäre ohnehin, warum Dortmund Dortmund heißt und nicht Daohr oder Hierauge.

Im Grunde ist nach gut 2000 Jahren ohnehin alles gesagt zu Weihnachten, wenn auch nicht an Weihnachten. Krippenspiel, Kinderkram. Aber auch: Schreibergram (vom Schreibkram nicht zu reden). Also machen wir das Fass mit dem „zu“ noch mal auf. Die Sprachberatung des Dudens sagt, dass „an“ süddeutsch sei, aber „zu“ nicht nur norddeutsch, sondern auch österreichisch. Als sprachlich eleganteste Lösung empfehlen die Experten, die Präposition wegzulassen. Etwa so: „Weihnachten überlege ich mir, was ich Silvester mache. Ostern und Pfingsten hab’ ich auch noch nichts vor.“ So, Berlin, nun freue dich, Christkind kommt bald (an).

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