Berlin : Alte Geschichte neu verpackt Das Zeughaus ist Denkmal

und Trendsetter zugleich.

Prima Klima. Die Technik dazu ist im Zeughaus gut versteckt. Foto: dpa
Prima Klima. Die Technik dazu ist im Zeughaus gut versteckt. Foto: dpaFoto: picture-alliance / dpa/dpaweb

„Pffft“, macht es leise hinter der Verkleidung unter dem Fenster des Zeughauses, vor dem Winfried Brenne und Franz Jaschke stehen. Es ist die Südseite, also Unter den Linden, und es ist ein sonniger Morgen mit trockener Luft. Pffft. 55 Prozent Luftfeuchtigkeit bei 22 Grad Raumtemperatur sind in Museen wie dem Deutschen Historischen (DHM) nicht Luxus, sondern Gesetz – etwa als Bestandteil von Leihverträgen über empfindliche Exponate.

Mit der Sanierung Ende der 1990er Jahre sollte das Zeughaus auch eine zeitgemäße Haustechnik erhalten, Klimatisierung und Entrauchung inklusive. Was seit dem BER-Desaster auch Laien wissen, war damals noch ein Expertenproblem: Die Technik braucht enorm viel Platz. Ein erster Entwurf sah deshalb vor, die Böden um einen halben Meter anzuheben und einen Großteil des Dachgeschosses mit der Klimasteuerung zu füllen. Das Museum hatte sich schon fast damit abgefunden, Bibliothek und Filmarchiv auszulagern. Doch dann ließ sich das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung als Bauherr auf das Experiment ein, das ihm die Wettbewerbssieger Brenne und Jaschke vorschlugen: Dezentrale Klimamaschinen unter allen Fenstern – insgesamt 120 Stück. Durch kaum sichtbare Schlitze sollte Außenluft angesaugt, gefiltert und temperiert werden. Zwischen den Fenstern und einer zusätzlichen Glasplatte auf der Innenseite der Fensternischen sollte außerdem verbrauchte Raumluft umgewälzt werden, so dass jeder Ausstellungsbereich sein ideales Mikroklima bekommen würde. Hinzu kamen zwei unterschiedlich dunkle Jalousien für jedes Fenster. Das Konzept hatte nur einen Haken: Mangels Vorbild wusste niemand, ob es wirklich funktionieren würde.

Nach einem Jahr Testbetrieb waren Bauherr und Architekten gleichermaßen überzeugt von der neuen Lösung. Der klimatisch erfolgreich bewältigte Massenansturm bei den Tagen der offenen Tür im noch leeren Museumsbau lieferte den abschließenden Erfolgsbeweis.

Laut Berechnung von Fachleuten ist die dezentrale Variante sogar die kostengünstigere: Was in die Wartung der vielen kleinen Geräte zusätzlich investiert werden muss, wird bei den Energiekosten locker wieder hereingeholt. Und die Museumsbibliothek hat einen komfortablen Platz im Dachgeschoss gefunden.

Zeughaus des DHM, Unter den Linden 2 Führungen um 11 und 14 Uhr, Anmeldung unter www.berlin-spart-energie.de nötig.

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