Amann fliegt aus BER-Management : Mehdorn allein im Cockpit

Sie waren zerstritten, der BER-Aufsichtsrat musste eine Entscheidung treffen. Amann darf sich nun ums Schmutzwasser kümmern, Mehdorn um den Rest – um die Baustelle, den Eröffnungstermin, die Finanzen ….

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Wer ist hier der Boss? Mehdorn (rechts) kann auch ganz gut ohne Amann.
Wer ist hier der Boss? Mehdorn (rechts) kann auch ganz gut ohne Amann.Foto: dpa

Er hat gewonnen und auch verloren. Zwar ist Hartmut Mehdorn nun allein der starke Mann am BER, nachdem Widersacher Horst Amann aus dem Management flog. Doch nun wächst der Druck auf Mehdorn, endlich einen Plan zur Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens vorzulegen, was der 70-Jährige nicht konnte: Ein verbindlicher Eröffnungstermin ist nicht in Sicht. Und er hat, wie die Aufsichtsratssitzung zeigte, eine weitere Baustelle, die immer mehr ins Zentrum rückt: Die Finanzen. Weder er, noch die ihm unterstehende Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster konnten belastbare Prognosen vorlegen, wie teurer der neue Airport denn nun wird.

Um die Zahlen gibt es nach wie vor Durcheinander. Nach aktuellen Flughafen-Papieren haben die Kosten inzwischen die 4,7 Milliarden erreicht, wobei davon hunderte Millionen Euro gebunden, aber noch nicht abgeflossen sind, etwa weil der Bau kaum vorangeht. Trotzdem wird es eng. Zur Grundsteinlegung 2006 war der Airport noch mit 1,9 Milliarden Euro veranschlagt worden. Nach den offiziellen Mitteilungen der Flughafengesellschaft für die Finanzierung des BER sind seitdem von den drei Eigentümern, von der Flughafen-Gesellschaftern und über einen 2,4-Milliarden-Kredit nicht 4,3 Milliarden Euro aufgebracht worden, wie es selbst Aufsichtsräte kommunizieren, sondern bereits 4,6 Milliarden Euro. Darin sind die 1,2 Milliarden Euro enthalten, die im Vorjahr vom Bund, Brandenburg und Berlin als Eigner nach der geplatzen Eröffnung nachgeschossen wurden. Die waren aber noch auf eine erhoffte Eröffnung zum 27. Oktober 2013 berechnet. Die fünf Milliarden und neue öffentliche Spritzen sind damit nur eine Frage der Zeit. Ab jetzt kostet jeder Monat.

Die Flughafen-Idee entstand kurz nach dem Mauerfall

Zwar soll Mehdorn die bisher genannten 35 Millionen auf 17 Millionen Euro nach unten korrigiert haben. Dafür gilt aber eine Eröffnung vor Herbst 2015 mittlerweile als fast unmöglich. Als realistisch wird unter Aufsichtsräten längst das Frühjahr 2016 angesehen. Und für den Schallschutz sind erst 444 Millionen Euro eingeplant, statt der nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes benötigten 591 Millionen Euro. So gab der Aufsichtsrat zwar grünes Licht, im Rahmen der vorhandenen Mittel 50 Millionen Euro auszugeben, für den Umbau des Nordpiers, die Aufteilung der Sprinkleranlage im Terminal in drei separate Blöcke, die mit Siemens vereinbarte Fertigstellung der Brandschutzanlage. Doch Mehdorn wollte mehr – und blitzte ab. Sein Antrag wurde abgelehnt, dem Flughafen das Budget um weitere 38 Millionen Euro aufzustocken. Stattdessen soll der Flughafen bis zur Dezember-Sitzungzum Geld seine Hausaufgaben machen.

Die Idee für einen einzigen Berliner Großflughafen entstand kurz nach dem Mauerfall. Doch 24 Jahre nach der Wende ist der Flughafen noch immer nicht in Betrieb. Eine kleine Chronik.

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