Anti-Kinderwagen-Poller im Café : Alle Eltern müssten doch Hurra schreien

28.09.2012 15:49 Uhrvon
Kinder müssen draußen bleiben: Ein Café-Betreiber in Prenzlauer Berg macht Ernst mit seinem Purismus. Hier gibt es nur Kaffee ohne alles. Foto: dapd
Kinder müssen draußen bleiben: Ein Café-Betreiber in Prenzlauer Berg macht Ernst mit seinem Purismus. Hier gibt es nur Kaffee ohne alles. - Foto: dapd

Ein Gastronom in Prenzlauer Berg will keine Kinderwagen in seinem Café, deswegen hat er einen Betonpoller aufgestellt. Eine Welle der Empörung brach über ihn herein – warum eigentlich? Eine vierfache Mutter findet die Idee super.

Aaah, endlich! Die Babysitterin hat die Kinder übernommen, Mama hat mal kurz frei, vielleicht eine Stunde oder auch zwei. Für den Besuch einer Ausstellung ist sie zu erschöpft, also steuert sie Richtung Café. Aber was ist das? Alles voller Latte macchiato trinkender Mütter mit sabbernden und plärrenden Babys, neugierigen Kleinkindern, die Kuchen zerkrümeln, mit ihren Schmierpfoten alles betatschen und meinen, die Leute an den umliegenden Tischen müssten auch noch von ihnen begeistert sein – typische Sprösslinge akademisch gebildeter Mütter, die meinen, der Nachwuchs müsse seine Persönlichkeit frei entfalten können.

Jetzt hat ein Gastronom beschlossen, da nicht mitzumachen – und schon bricht die Hölle über ihn herein.

Ralf Rüller hat in sein Café „The Barn Roastery“ an der Schönhauser Allee einen Betonpoller gestellt, damit keine Kinderwagen durchpassen (Kinder, die sich benehmen können, dürfen aber hinein). Auch sonst ist Rüller streng: Keine Laptops, keine Handytelefonate, keine Hunde, kein Zucker im Kaffee, keine Milch im Filterkaffee, kein Milchschaum für Kinder. Doppelten Espresso gibt es mit geschäumter Milch, immerhin.

Stattdessen sollen die Erwachsenen miteinander reden, einander zuhören, in Ruhe Zeitung lesen. Es läuft auch keine Musik. Wer will, kann sich eben mal verabschieden aus der lauten Welt. Zu sich kommen. Die Gedanken ordnen. Oder auch, so will es Rüller, sich ganz dem Genuss seines Kaffees hingeben. Und was ist die Folge? Rüller ist der „Unmensch von Prenzlauer Berg“, ein „Kinderhasser“, er wird im Internet und in den Zeitungen angefeindet, außerdem wird ihm Diskriminierung vorgeworfen.

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Dabei ist sein Ziel absolut respektabel. Wer lebendiges Chaos will, kann es an jeder Ecke kriegen, Prenzlauer Berg und Mitte sind voll von lärmigen Läden. Wer Soja-Latte und eine Spielecke will, wird sie finden. Wer ohne sein Macbook nichts trinken kann, bitte – anderswo ist Platz. Warum also regt sich alle Welt über einen Gastronomen auf, der einfach nur konsequent seine Vorstellung davon verfolgt, wie sein Laden sein soll?

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