Auf Deutsch gesagt : Schwierige Einzahl

Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker

Es ist offenbar gar nicht so einfach, Singular und Plural korrekt zu bilden. Mitunter ist das ziemlich knifflig, abgesehen von groben Schnitzern, die gang und gäbe sind. „Ein höherer rechtsstaatlicher Beobachtungsdruck in Verbindung mit einer verbesserten Aufklärung sind alternativlos“, meint die CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses in einem Antrag zum Thema Scientology. Na gut, Beobachtung und Aufklärung sind alternativlos. Doch in dem zitierten Satz handelt es sich eben nicht um eine Aufzählung. Die Beobachtung (Einzahl) ist das Subjekt, folglich muss auch das Verb im Singular stehen.

„Die Nutzung dieser umgewidmeten Bildungsgutscheine sollen insbesondere solchen jungen Menschen zugutekommen, die ...“, las ich in einem anderen CDU-Antrag. Wären die Bildungsgutscheine das Subjekt, wäre das Verb im Plural richtig. Hier soll jedoch die Nutzung (der Gutscheine)einer bestimmten Gruppe junger Leute zugutekommen.

Man liest und hört oft den falschen Singular oder Plural bei Prozentangaben: Ein Prozent sind wenig; 30 Prozent ist viel. Umgekehrt wäre es korrekt ausgedrückt. Die einfache Grundregel besagt, dass bei Prozentangaben mit allen höheren Zahlen als eins das Verb im Plural folgt. Nun ja, Ausnahmen sind zulässig. Folgt der höheren Zahl als eins das Subjekt im Nominativ Singular, darf das Verb im Plural oder im Singular stehen. Zehn Prozent Energie gehen/geht verloren.

„Die schätzungsweise große Anzahl von Menschen arbeiten in den Schattenbereichen des Berliner Arbeitsmarktes und gehören zu den schwächsten Gruppen“, steht in einer Großen Anfrage der Grünen über Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Die Formulierung ist reichlich kraus, nicht wahr.

Ebenso las ich in einem CDU-Text: „Ein Teil der Umsätze werden bereits jetzt mit internationalen Aufträgen erwirtschaftet.“ Du liebe Güte! Ist die Zahl oder der Teil (des Ganzen) Subjekt, steht auch das Verb im Singular. Oder? Doch, „in der Regel“ ist es laut Duden-Grammatik so. Allerdings steht dort unter den Stichwörtern Zahl, Anzahl, Teil zusätzlich die Anmerkung: „Oft wird aber nach dem Sinn konstruiert und das Verb in den Plural gesetzt.“

Ach, lassen wir uns nicht irritieren. Wer sich an die recht unkomplizierte Regel hält, kann nichts falsch machen.

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