Berlin : Aufmarsch der Star-Anwälte im Landgericht

Im Untreue-Prozess stehen den 15 Angeklagten rund 30 Verteidiger zur Seite

Katja Füchsel

Nicht nur voll, sondern auch hochkarätig besetzt. Wenn am Freitag vor dem Moabiter Kriminalgericht der Prozess gegen die 15 Bankmanager beginnt, wird sich auf der Anklagebank eine prominente Menge versammeln: mit den Finanzgrößen des alten West-Berlins einerseits und einigen der angesehensten Verteidigern der Republik andererseits. Dreißig Stühle hat das Gericht für die Anwälte reserviert, denn die meisten Angeklagten laufen im Prozess um den Berliner Bankenskandal mit zwei juristischen Vertretern auf, einem Strafrechts- und einem Zivilrechtsexperten.

In der Affäre um zweifelhafte Kredite für die Immobilienfirma Aubis müssen sich die ehemaligen Bankvorstände und Aufsichtsratmitglieder wegen Untreue im besonders schweren Fall verantworten. Geht es um den Prominenten-Faktor, hat vermutlich der Angeklagte Theo Schroth, Ex-Vorstand der Berlin Hyp, mit seinem Verteidiger den besten Griff getan. Denn Hans Dahs, Autor einiger Standardwerke zur Strafverteidigung, gilt als ein „Nestor des Strafrechts“. Einen Namen machte sich Dahs, als er 1986 den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl im Verfahren wegen Falschaussage in der Flick-Affäre vertrat. Längst hat sich die Bonner Sozietät um Konrad Redeker und Hans Dahs zu einem Unternehmen mit rund 70 Anwälten und 90 Mitarbeitern entwickelt, das jedes Rechtsgebiet abdeckt. Wo immer sich in Deutschland ein Polit- oder Wirtschaftskrimi abspielt, die Bonner Kanzlei ist dabei: ob beim Vulkan-Prozess in Bremen, der Holzmann-Affäre in Frankfurt oder beim Immobilienskandal der Hypo-Vereinsbank in München. Der damalige Bundespräsident Johannes Rau ließ sich von Dahs während der Düsseldorfer Flugaffäre verteidigen, und Max Strauß suchte seinen Rat, als er wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde.

Bundesweit anerkannt ist auch Wolf Schiller, der beispielsweise Werner Casper im Co-op-Prozess und Manfred Schmider im Flowtex-Verfahren verteidigt hat und jetzt den Ex-Vorstandschef der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf, vertritt. Ulrich Jeinsen (für Ex-Vorstand Heinz Wehling) hat mehrere Opfer des Anschlages auf die Diskothek La Belle betreut und wurde von Hinterbliebenen des Anschlags vom 11. September beauftragt.

Es wird ein großes Händeschütteln geben im Saal 700, denn auch viele fest etablierte Berliner Verteidigergrößen sind vertreten. Wie beispielsweise Alexander Ignor, Rechtsanwalt und Professor an der Humboldt-Universität. Vor Gericht hat Ignor den früheren CDU-Parteichef Wolfgang Schäuble, den Berliner Bausenator Peter Strieder und den Fußball-Kommentator Marcel Reif erfolgreich vertreten. Anke Müller-Jacobsen übernahm in der Tempodrom-Affäre die Verteidigung von Finanzsenator Thilo Sarrazin und setzt sich jetzt für Ex-Aufsichtsrat Leopold Tröbinger ein. Zu den Mandanten von Robert Unger zählen der letzte SED-Staats- und Parteichef Egon Krenz sowie der Schauspieler Günther Kaufmann. Stefan König – für Ex-Vorstand Gerd-Ulrich Blümel – ist der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Strafverteidiger. Als West-Berliner Urgestein gilt Wolfgang Müllenbrock. Der Jurist begann in den 70er Jahren seine Karriere als Staatsanwaltschaft, stieg in den 80er Jahren zum Staatssekretär unter den Innensenatoren Heinrich Lummer und Wilhelm Kewenig auf. Er hat die Verteidigung des früheren CDU-Fraktionschefs Klaus Landowsky übernommen.

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