• Ausschreitungen nach Fußballspiel in Rostock: Zug verwüstet: Ärger nach Union-Randale
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Ausschreitungen nach Fußballspiel in Rostock : Zug verwüstet: Ärger nach Union-Randale

Auf der Rückfahrt vom Freundschaftsspiel in Rostock beschädigten mehrere Personen einen Regionalzug. Der Schaden beträgt rund 30 000 Euro. Der Verein prüft intern, wer die Täter sein könnten.

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Nach der Fahrt. Diese Bilder aus dem Zug der Union-Fans zeigte die Bundespolizei.
Nach der Fahrt. Diese Bilder aus dem Zug der Union-Fans zeigte die Bundespolizei.Screenshot: Tsp

Der Ärger ist groß, auch nach dem Wochenende. Auf der Rückfahrt vom Freundschaftsspiel des 1. FC Union in Rostock hatten mehrere Personen einen Regionalzug schwer beschädigt, Decken eingeschlagen, Wände beschmiert, einen Wagen vermüllt.

Waren Bundespolizisten im Zug?

Diskutiert wird die Randale auch in den Fanforen des Klubs. Dort heißt es unter anderem: "Bei Einigen fragt man sich, welch' Geistes Kind sie sind!" Andere wiederum berichten, dass Bundespolizisten den Zug begleitet haben und fragen sich nun, warum die Beamten "erst in Berlin merken, dass der Zug so aussieht". Fans befürchten, dass in Zukunft nun noch mehr Polizisten mitreisen werden. Die Bundespolizei war mit 42 Beamten im Zug. Nach Angaben eines Polizeisprechers haben sie aber unterwegs nicht von der Randale bemerkt.

Die Bundespolizei hatte Bilder aus dem verwüsteten Wagen via Twitter veröffentlicht.

Der 1. FC Union hatte die Vorkommnisse am Sonntag in einer offiziellen Erklärung durch Pressesprecher Christian Arbeit verurteilt. In einer Pressemitteilung des Vereins heißt es: „So ein Verhalten ist nicht akzeptabel. Wir hoffen, dass die ermittelnde Bundespolizei die Täter identifizieren kann und diese für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen werden.“ Nach Angaben eines Sprechers der Bahn entstand ein Schaden von 30 000 Euro. "Der beschädigte Zug fällt zwei Wochen aus. Wir werden die Täter zur Kasse bitten." Ein Polizeisprecher sagte "Bild": "Das Ausmaß der Verwüstung sei in dieser Form „sehr selten.

Pressesprecher erwartet keine Hinweise aus der Fanszene zu den Tätern

Arbeit sagte dem Tagesspiegel allerdings auch, dass der Verein derzeit keine Möglichkeiten habe, Konsequenzen zu ziehen, "da wir nicht wissen, um wen es sich bei den Tätern handelt". Allerdings werde der Verein intern prüfen, "welche Gruppen des Vereins möglicherweise beteiligt sein könnten". Doch viel Aufklärung erwartet er auch dadurch nicht. "Man muss ja im Einzelfall prüfen, wer was gemacht hat." Und angesichts des Zusammenhalts in einer solchen Gruppe tendiere die "Wahrscheinlichkeit, dass man Informationen erhält, gegen Null". Es werde ja niemand einen anderen verpfeifen.

Vor dem Spiel gegen Rostock hatte es die üblichen Besprechungen des Vereins mit der Polizei gegeben. Dass es von vorherein kein unproblematisches einfaches Spiel würde, war klar. "Das liegt daran, dass Rostocks Fans eigentlich mit den Fans aller anderen Vereine rivalisieren", sagte Arbeit. Die Polizei hatte im Vorfeld, über ihre eigenen sozialen Medien und über jene des Vereins, Hinweise an die Fans gegeben, die nach Rostock fahren wollten.

Zum Beispiel gab es auf dem Bahnhof-Vorplatz einen Shuttle-Dienst zum Stadion. Auch für Fans, die mit dem Bus oder mit dem Auto nach Rostock fuhren, gab es einen shuttle-Dienst. Beim Spiel selber passierte gar nichts. "Deshalb", sagt Arbeit, "ist es sehr, sehr ärgerlich, das nach dem Spiel, bei der individuellen Abreise solche Vorfälle gegeben hat".

Union-Fans bestellen Sonderzüge

Bei jeweils einem Spiel in einer Saison setzt Union einen Sonderzug für seine Fans ein. In dieser Saison betraf dies das Auswärtsspiel gegen Freiburg; in der vergangenen Saison rollte ein Zug mit mehreren Hundert Fans nach Darmstadt. "Und nie ist etwas passiert", sagte Arbeit. Den Sonderzug bestellt aber nicht der Verein, sondern die Fangruppe "Eiserner Virus", sie ist deshalb auch haftbar, sollte es zu Schäden kommen.

Union-Fans, die negativ auffallen, werden auf verschiedene Weise sanktioniert. "Das reicht vom Haus- und Stadionverbot bis zum Vereinsausschluss", sagte Arbeit. In der jüngeren Vergangenheit habe es einige wenige Stadionverbote gegeben, wegen "vereinsschädigendem Verhalten". Darunter kann vieles fallen. An einen Vereinsausschluss kann sich Arbeit nicht erinnern.

600 Fans waren im Zug

Der Berliner Zweitligist hatte am Sonnabend ein Freundschaftsspiel beim FC Hansa Rostock ausgetragen, das letzte vor der anstehenden Sommerpause, und dieses 3:1 gewonnen. Dabei war der Klub von zahlreichen Fans begleitet worden. Insgesamt seien angeblich rund 600 Fans in dem beschädigten Zug gewesen, der kurz vor Mitternacht am Bahnhof Gesundbrunnen ankam.

Angeblich wurde eine Überwachungskamera bei Fans gefunden

Stunden später griff die Polizei laut „Bild“ eine Gruppe von Fans in Friedrichshain auf, einige seien vermummt gewesen. Die Gruppe hatte eine abgerissene Überwachungskamera bei sich. Im Moment wird geklärt, ob sie aus dem zerstörten Zug stammt. Es wurde Anzeige wegen besonders schweren Diebstahls, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz gemacht.

Immer wieder Ärger mit einigen Fußballfans

Zehntausende friedliche Fußballfans (davon saßen ja auch viele im Zug des 1. FC Union) nutzen jedes Wochenende die Züge der Bahn - und immer wieder macht eine Klientel Ärger. Der Bahnsprecher sagte, "dass wir enttäuscht sind, dass es am Wochenende erneut zu Ausschreitungen und Vandalismus im Fußballfanreiseverkehr gekommen ist.  Wenige Fans zerstören hier das Engagement der Bahn, der Vereine und Fanprojekte. Auch andere Kunden und friedlich reisende Fußballfans sind von den Folgen der Ausschreitungen und dem sinnlosen Vandalismus Einzelner betroffen."

Haus- und Beförderungsverbot für Randalierer

Die Bahn prüfe auch im aktuellen Fall "Hausverbote und Beförderungsausschlüsse". Dieses Mittel setzt die Bahn seit längerer Zeit ein. Wer durch Sachbeschädigungen aufgefallen ist, erhält ein Haus- und Beförderungsverbot. Auch der Bahn ist klar, dass damit allein nicht verhindert wird, dass ein solcher Straftäter sich trotzdem in den Zug setzt. Der Gedankengang hinter der Sanktion: Der Betroffene wird sich hüten, nochmal in irgendeiner Form aufzufallen. Sollte er nämlich kontrolliert werden, wird klar, dass er Haus- und Beförderungsverbot hat. "Und das ergäbe dann eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs", sagte der Bahnsprecher.

Der Bahn entsteht durch randalierende Fußballfans jährlich ein Schaden in Höhe von zwei Millionen Euro. Diese Summe ist seit Jahren konstant. Allerdings kommen auch noch Ausgaben durch den Einsatz zusätzlicher Sicherheitsmitarbeiter der Bahn dazu. Allein im vergangenen Jahr hat die Bahn 700 000 Euro dafür aufgewendet, dass besonders geschulte Mitarbeiter solche Fußballfans begleiten.

Zu den Begleitern, die immer mitfahren, gehören die Schaffner. Und deren Einsatzmöglichkeit in einem vollbesetzten Zug mit gröhlenden Fußballfans ist naheliegenderweise begrenzt. Für diese Mitarbeiter gilt als oberste Priorität "der Schutz der eigenen Gesundheit", sagt der Bahnsprecher. Das bedeutet in der Praxis, dass eine ordnungsmäße Kontrolle der Fahrkarten nicht immer möglich ist. In besonders gefährlichen Situationen alarmiert solch ein Zugbegleiter die Polizei.

Ein weiterer Kostenfaktor "sind die Folgekosten, die beispielsweise aufgrund von Zugausfällen und Verspätungen entstehen, wenn Züge durch das Verhalten von Fans aufgehalten werden oder wenn durch randalierende Fans beschädigte Fahrzeuge repariert werden müssen", sagte der Bahnsprecher.

Wie berichtet, hatte die Bundespolizei in der Saison 2014/2015 "beim Bahnreiseverkehr" bundesweit 2321 Straftaten von Fußballfans in Zügen registriert, davon 669 Gewaltdelikte. Dabei seien 392 Menschen verletzt worden, darunter 149 Polizisten und 131 unbeteiligte Reisende.

Nach dem Abstieg von Hertha BSC in die Zweite Liga etwa hatten auch die Fans des Berliner Lokalrivalen im Zug aus Düsseldorf gewütet. Weil Scheiben aus dem Wagen geflogen, musste der Zug aus dem Verkehr gezogen werden.

500 Polizisten hatten die Hertha-Fans nach der Ankunft am Hauptbahnhof kontrollieren wollen - vergeblich. Sie hatten vorab die Notbremse gezogen und waren in Spandau ausgestiegen.

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