Auswanderung : Warum die Gründer von Berlin keine Berliner waren

Berlin ist großartig. Doch es ist nicht einzigartig. Über hundert Berlins gibt es rund um den Globus. Städte, kleine Dörfer und Orte, die aus kaum mehr als einer Hütte und einem Komposthaufen bestehen. Inseln sind nach Berlin benannt, Wasserfälle, Berge und sogar ein aktiver Vulkan.

Michel Penke
Prof. Dr. Jochen Oltmer, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Osnabrück, erzählt über die deutschen Auswanderungswellen
Prof. Dr. Jochen Oltmer, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Osnabrück, erzählt über die deutschen...Foto: Olmert

Wir haben die Berlins dieser Welt zusammengetragen und die spannendsten Hintergründe recherchiert. Doch wem verdanken diese Orte ihren berühmten Namen? Im Interview erklärt Prof. Dr. Jochen Oltmer, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Osnabrück, wohin Deutsche auswanderten – und warum die meisten Berlins gar nicht von echten Berlinern gegründet wurden.

 Herr Oltmer, woher kommen so viele Namensvettern?

Es gibt zwei Typen von Berliner Stadtgründungen. Auf der einen Seite gib es tatsächlich Siedlungen, die von Menschen aufgebaut wurden, die den Namen aus ihrer Heimat – sprich Berlin – mitgenommen haben. Das ist aber der Ausnahmefall. Der Regelfall ist, dass für Orte Namen gewählt worden, die für das Herkunftsland stehen. Gab es beispielsweise viele Deutsche aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands innerhalb einer Gemeinde, so passierte es nicht selten, dass sie einen Namen wählten, der für sie und ihr Herkunftsland repräsentativ war.

90 Prozent der deutschen Auswanderer sind in die USA, Kanada, Australien und Neuseeland gegangen. Nach Mittelamerika und südamerikanische Länder sind keine großen Massen ausgewandert. Dafür aber meist wohlhabende Kaufleute, die dann über Generationen hinweg geblieben sind. Dass einige Orte nach der deutschen Herkunft dieser einflussreichen Händler benannt wurden, ist nicht ungewöhnlich. Aber auch hier waren die Namensgeber häufig gar keine Deutschen. Oft wollte man die Ortschaft nach etwas benennen, mit dem man positive Perspektiven verbindet.

 Phasen der deutschen Auswanderung

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