Bauchaos : Bei der Staatsoper sieht keiner mehr durch

Die schlechten Nachrichten von der Berliner Staatsoper nehmen kein Ende. Auch der Architekt kann den verzögerten Bau Unter den Linden nicht erklären – und den Tunnel auch nicht.

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Baustelle Staatsoper Unter den Linden.
Baustelle Staatsoper Unter den Linden.Foto: dpa

Teuer, später, komplizierter: Die schlechten Nachrichten von der Staatsoper nehmen kein Ende. Offiziell ist gerade von 288 Millionen Euro die Rede und von einer Eröffnung 2015. Manche sprechen bereits von 2017. Wer blickt da noch durch? Der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses jedenfalls nicht mehr. Deshalb hat er sich am Montag den Architekten eingeladen, Joachim Munzig vom Büro HG Merz.

Der referierte viel Bekanntes, wie die Anhebung des Zuschauerraums um vier Meter, um die Nachhallzeit zu verlängern. Und manch Überraschendes, etwa dass die Staatsoper ursprünglich überhaupt keinen Bühnenturm hatte, der wurde erst 1910 eingebaut. Zurzeit wird er völlig erneuert und angehoben – und soll statisch nicht mehr sicher sein, was der Architekt natürlich bestreitet. Als der dann über das viel gescholtene, extrem aufwändige unterirdische Verbindungsbauwerk spricht, erhält ein dumpfer Verdacht neue Nahrung: dass der Tunnel schierer Luxus sein könnte. Die Oper kann zwar dadurch schneller zwischen Proben- und Abendaufbau hin- und herwechseln. Letztlich scheint der Vorteil gering zu sein. Vor allem müssten die Kulissen nicht mehr auf der Straße geparkt werden. Stattdessen führen die Lkws ins neue Probenzentrum, dort würde alles entladen, per Aufzug unter die Erde gebracht und in der Oper wieder nach oben.

Dass das eine „riesige logistische Verbesserung“ sei, glaubt nur die SPD-Abgeordnete Brigitte Lange. Wolfgang Brauer (Linke) hat Zweifel am Sinn des Tunnels, der mit 6,50 Meter Höhe nur wenige Zentimeter höher sein wird als die größten Kulissenteile. „Da muss nur mal ein Nagel nicht richtig eingeschlagen sein.“

Auf die Frage, ob das Bauwerk nur Luxus sei, antwortet  Munzig zweideutig: „Im Rahmen des Konzepts nicht“. Christopher Lauer (Piraten) will, fast verzweifelt, von ihm „in einfachen Worten“ wissen, warum es zu diesen Verzögerungen kommt. Aber für eine Antwort ist dann keine Zeit mehr.

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