Bedrohte Kleingärten : Auch das Land Berlin will Kolonien bebauen

Rund 74 500 Kleingärten gibt es noch in Berlin, aber es werden immer weniger. Projekte privater Investoren gefährden aktuell zwei Standorte. Außerdem ist es nach dem Ende einer Schutzfrist für 19 Kolonien möglich, dass die Landesregierung manche davon dem Wohnungsbau opfert.

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Eine beispielhafte Entwicklung, wie sie viele Pächter fürchten, findet gerade in der Württembergischen Straße in Wilmersdorf ihren Abschluss: Wohnungskäufer und Mieter ziehen seit Wochen in 13 Neubauten mit mehr als 200 Wohnungen. Die Bauherrnen wählten den idyllischen Namen „Rosengärten“ für ihr Projekt in der begehrten Citylage am Olivaer Platz. Rosen und Gärten gab es dort schon früher – in der Kolonie Württemberg. Doch die 48 Parzellen mussten vor drei Jahren weichen.

Akut bedroht sind zwei weitere Kolonien. Gegen ihre Kündigung zum Jahresende haben Pächter der Kolonie Oeynhausen in Schmargendorf eine Klage eingereicht. Es geht um 147 Parzellen auf dem ehemaligen Postgelände im Norden der Kolonie, das dem Finanzinvestor Lorac gehört. Bald will der Berliner Unternehmer Klaus Groth dort 700 Wohnungen bauen. Ein Kompromiss mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf sieht vor, dass die restlichen 155 Parzellen auf dem Privatgrundstück dem Bezirk übereignet und erhalten werden. Der südliche Teil der Anlage mit 122 Lauben gehört bereits dem Land Berlin.

In Marienfelde läuft eine Unterschriftensammlung für die Kolonie an der Säntisstraße. Auf dem ehemaligen Bahngelände, das seit Anfang 2010 Privateigentum ist, plant ein Investor Logistikzentren. Dagegen protestiert der von Kleingärtnern und Anwohnern gegründete Verein „Grüne Säntispark“.

Inzwischen belastet der Streit aber auch die Zählgemeinschaft der SPD und Grünen in der BVV Tempelhof-Schöneberg. Die SPD-Kreisdelegiertenversammlung kritisierte das Logistikzentrum als „Gegenteil vernünftiger Politik für die betroffenen Ortsteile“. Der Vorwurf richtet sich gegen Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne).

Auch die Landesregierung will ihre Wohnungsbaupläne auf Koloniegrundstücken realisieren. Nun wächst die Sorge von Pächtern in 19 landeseigenen Kolonien, für die 2014 eine Schutzfrist endet. In Neukölln und Treptow-Köpenick verlieren jeweils sieben Anlagen ihren Schutz, hinzu kommen drei in Charlottenburg-Wilmersdorf sowie je eine in Pankow und Tempelhof-Schöneberg. Laut Stadtentwicklungsverwaltung steht noch nicht fest, welchen Standorten tatsächlich das Aus droht.

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