• Bekenntnisse eines Beamten : Ein Polizist erzählt, was auf Berlins Straßen falsch läuft

Bekenntnisse eines Beamten : Ein Polizist erzählt, was auf Berlins Straßen falsch läuft

Er war Polizist, Einsatzgebiet: Neukölln. 44 Jahre war er auf den Straßen unterwegs. Karlheinz Gärtner hat ein Buch geschrieben, weil vieles einfach nicht mehr stimmt. Ein Treffen am Hermannplatz.

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Ein Treffen mit Karlheinz Gärtner am Hermannplatz.
Ein Treffen mit Karlheinz Gärtner am Hermannplatz.Foto: Mike Wolff

Dieser Bulle gibt nicht auf. Will nicht aufgeben. Da geht es schließlich um die Werte, die ihn auf diesen Berufsweg geführt haben. Dafür zu sorgen, dass sich Menschen sicher fühlen können und nicht Opfer werden von Gewalttätern und Kriminellen. Dieser Anspruch hat ihn durch 44 Berufsjahre als Polizist und Zivilfahnder geleitet, und daran will er noch immer glauben. Dabei könnte er verzweifeln an dem, was er und seine Kollegen bei der Berliner Polizei tagtäglich erleben und erleiden.

Karlheinz Gärtner ist ein kräftiger Mann, der seine Worte wägt und langsam spricht. Der die Ruhe zu bewahren gelernt hat bei unzähligen Festnahmen, bei nächtlichen Observationen oder brenzligen Situationen. Aber man merkt beim Gespräch im Café am Hermannplatz, wie es in ihm brodelt.

Wenn er etwa spricht über den Kampf gegen die Drogendealer in der nahen Hasenheide. Die war schon 1972 ein Drogenumschlagplatz, „als ich dort zum ersten Male bei einem Einsatz hinterm Busch gelegen habe“. Geändert hat sich daran nichts in über vier Jahrzehnten. Wenn er darüber spricht, unwillkürlich die Hände ballt, dann merkt man, wie sehr ihn das alles bewegt.

Er kann es nicht akzeptieren, dass die Polizei hilflos ist und immer nur die Kleinen einfängt, die am nächsten Tag schon wieder an derselben Stelle stehen. Dabei könnte viel mehr passieren, wenn die Polizei das nötige Personal und die Mittel erhielte – und vor allem die Wertschätzung und Anerkennung durch die Gesellschaft. Denn daran mangelt es, das haben er und seine Kollegen häufig erfahren.

Die verrohte Gesellschaft

Der Kampf gegen Kriminelle, die immer brutaler vorgehen, erfordere auf der anderen Seite eine Bürgerschaft, die hinter den Beamten und ihrer Arbeit steht. Stattdessen aber erlebt er eine Bevölkerung, die zwar von Polizisten immer mehr fordert, sie aber gleichzeitig ihre Verachtung spüren lässt.

Gärtner hat sich den Ärger über das, was auf Berlins Straßen falsch läuft in Sachen Sicherheit und friedlichem Zusammenleben, vom Herzen geschrieben. Das Buch „Sie kennen keine Grenzen mehr - die verrohte Gesellschaft“ ist eine Anklage gegen Respektlosigkeit, Gewalt und Verwahrlosung.

Der seit einigen Jahren pensionierte Hauptkommissar ist kein Mann der strammen Parolen, sondern ein nachdenklicher Mahner vor einer gesellschaftlichen Entwicklung, bei der auch bei den normalen Bürgern die Aggressivität und Rücksichtslosigkeit wächst – im Alltag auf der Straße, etwa mit Pöbeleien zwischen Radlern und Autofahrern, oder wenn Beamte als „Nazis“ beschimpft werden, wenn sie Verkehrssünder ermahnen.

Verwundern tut es Gärtner nicht. Wenn die Menschen erfahren, dass sie als Falschparker gnadenlos zur Kasse gebeten werden, aber Schwerkriminelle mit Hilfe teurer Anwälte freikommen, dann leide das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden. Und macht damit alle unbescholtenen Bürger zu Opfern.

Der Ur-Neuköllner Gärtner kennt jeden Meter Straße in seinem Revier. Für ihn geht es nicht nur um Kriminalitätsbekämpfung, sondern um ein friedliches Zusammenleben. Deshalb kann er nicht verstehen, dass die Menschen dort ihr Wohnumfeld so geringschätzen, dass überall der Müll abgeladen wird, von der verschlissenen Couch bis zum alten Reifen.

Engagement für seinen Kiez, auch das gehört für ihn dazu. Der frühere Polizist hat sich selbst viele Jahre engagiert, damit es auf der Straße friedlicher zugeht. Mit Fußballturnieren zwischen Polizisten und Neuköllner Kids hat er versucht, das Verhältnis zwischen den Jugendlichen aus Immigrantenfamilien und der Polizei zu entspannen.

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