Bellevue : Kein Schloss zum Wohnen

02.07.2010 09:49 UhrVon Elisabeth Binder
Familie Wulff zieht erst einmal nicht in Schloss Bellevue ein. Foto: AFP
Familie Wulff zieht erst einmal nicht in Schloss Bellevue ein. - Foto: AFP

Die Kanzlerin freut sich auf Kinderlachen in Bellevue. Das klingt herzerwärmend. Doch die Wulffs können gar nicht einziehen.

Der Gedanke klang zunächst wirklich herzerwärmend. Sie stelle es sich wunderschön vor, wenn ein Kinderlachen durch Schloss Bellevue geht, hatte Kanzlerin Angela Merkel am Vorabend der Bundesversammlung gesagt. Vor dem inneren Auge sah man gleich ein hübsch dekoriertes Kinderzimmer mit Blick auf den Schlosspark. Aber die Sache war schlecht recherchiert. Im Amtssitz fehlt es nämlich nicht nur an einem Kinderzimmer: „Es gibt seit elf Jahren keine Präsidentenwohnung mehr im Schloss Bellevue“, sagte der Sprecher des Bundespräsidialamtes auf Anfrage.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat dort nach dem Umzug aus Bonn nur ganz kurz gewohnt, bevor er noch während seiner Amtszeit in ein Privathaus nach Dahlem zog.

Roman Herzog war bislang der einzige Präsident, der zusammen mit seiner Frau Christiane über einen längeren Zeitraum im Schloss gewohnt hat. Und er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn er über die 94 Quadratmeter große Dienstwohnung im 50er-Jahre-Stil lästerte. Für ihn war es eine „Bruchbude“, in der dauernd Licht und Strom ausfielen. Er wurde gehört mit Kommentaren wie „Und stinken tut’s immer“. Das lag an einem Leitungsproblem.

Bundespräsident Johannes Rau hätte 1999 jede Menge Teenagerlachen als Mitgift ins Schloss bringen können. Doch die vorhandene Wohnung war zu klein für Frau Christina, drei Kinder und Hund. Raus zogen also nach Dahlem in die damals leer stehende Dienstvilla des Bundestagspräsidenten in der Miquelstraße.

Zwischen 2004 und 2006 wurde das Schloss Bellevue grundlegend renoviert. Das bedeutete das endgültige Aus für eine Dienstwohnung im Schloss. Seitdem befinden sich dort, wo früher die Wohnung war, Arbeitsräume und das Büro der First Lady. Am heutigen Freitag, wenn der neu gewählte und dann frisch vereidigte Bundespräsident Christian Wulff beim Sommerfest 5000 Gäste begrüßt, wird es besonders eng. Dort wo früher die Präsidentenwohnung war, wurde diesmal wegen des in den Wochen seit dem Rücktritt sprunghaft gewachsenen Medieninteresses am Fest ein Pressezentrum eingerichtet. Die Bundeskanzlerin dürfte also trotz ihres Wunschwahlergebnisses enttäuscht sein: Im einstmals privaten Teil des Schlosses hört man dann statt Kinderlachen das Klappern der Tastaturen. Und auch im Präsidentengarten, der ein bisschen intim abgegrenzt ist vom restlichen Teil des Parks, dürfte am heutigen Abend nicht viel Raum für Kinderspiele sein. Auch dieser Teil ist für die Gäste geöffnet. Unter anderem präsentieren sich dort die Sponsoren.

Die Wohnungsfrage wird sich wohl im Süden der Stadt entscheiden. Horst Köhler und Frau Eva Luise wohnen seit Juni 2004 in der früheren Dienstvilla von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Pücklerstraße in Dahlem. Die hatte sich das Bundespräsidialamt schon 2003 gesichert, als abzusehen war, dass es nach der Sanierung von Schloss Bellevue dort keine Wohnung mehr geben würde. Köhlers besitzen eine Eigentumswohnung in Berlin. Wenn die Mieter auf einen möglichen Rücktritt eingestellt waren und die Wohnung rasch räumen, könnte das Lachen der Wulff-Kinder demnächst also die Nachbarn in der Pücklerstraße verzaubern.

Andererseits war gerade das Sommerfest in der Vergangenheit für manche Gäste immer mal ein schöner Anlass, ihre Kinder debütieren zu lassen, manchmal schon im zarten Alter von vier Wochen. Und Linus Florian, der gemeinsame Sohn von Bettina und Christian Wulff, ist ja schon zwei Jahre alt. Christian Wulffs Tochter aus erster Ehe, Annalena, ist 16, und Bettina Wulffs Sohn Leander Balthasar 7 Jahre alt. Insofern könnte die Vision der Kanzlerin vielleicht sogar schon am heutigen Freitagabend doch noch Wirklichkeit werden.

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