Ben Klock : Magier der Nacht

Ben Klock ist einer der Stars im Berghain. Jetzt hat der DJ den Sound des Technoclubs auf Platte gepresst.

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Gut aufgelegt. Ben Klock vor seinem Arbeitsplatz, dem Berghain. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Gut aufgelegt. Ben Klock vor seinem Arbeitsplatz, dem Berghain. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Er hat sich einen schattigen Platz gesucht, einen Platz an einem der vielen weiß eingedeckten Tische im Café Schönbrunn im Volkspark Friedrichshain. Dort sitzt er unter der Markise, als wolle er die Sonne meiden, die an diesem warmen Nachmittag mit voller Kraft vom Himmel strahlt. In gewisser Weise passt das zu ihm, denn Ben Klock ist ein Mann der Nacht. Einer, der erst aufdreht, wenn es dunkel wird.

Ben Klock, 38, ist Resident-DJ im Berghain, jener berüchtigten Lasterhölle, die für viele der beste Technoclub der Welt ist. Seit der Eröffnung vor fünf Jahren legt er dort regelmäßig auf, er ist einer der Stars des Clubs, ein Aushängeschild, auch im Ausland, einer, der den Sound maßgeblich mitbestimmt. Und diesen Sound hat er nun auf CD gepresst. „Berghain 04“ heißt die Platte, die seit Freitag im Handel ist. Klock hat darauf Stücke von Künstlern wie James Ruskin und Roman Lindau zusammengestellt, Stücke, die zum Teil exklusiv für Klock eingespielt wurden.

Der Mann mit den stechend blauen Augen und der Anmutung eines Fotomodels wirkt an diesem Nachmittag entspannt und gelöst. Es ist einer der wenigen freien Tage für ihn, am Wochenende steht ein Termin in Amsterdam an, gerade erst ist er vom Auflegen auf Ibiza wiedergekommen. Ein schweres, silbernes Panzerarmband ziert Klocks linkes Handgelenk. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Glas Apfelschorle. Er beginnt, seine Geschichte zu erzählen. Nach ein paar Sätzen fällt ihm ein, dass er an diesem Tag noch nichts gegessen hat, und er bestellt ein französisches Frühstück mit Croissant und Marmelade.

Eigentlich habe er Jazzpianist werden wollen, sagt Ben Klock, und während er davon erzählt, ertappt man sich dabei, wie man mit den Augen an seinem Mund klebt in der Hoffnung, ein leichtes Zucken um die Winkel auszumachen, das die Aussage als Scherz entlarvt. Aber es zuckt nichts, nicht mal ein bisschen. Klock meint es ernst. Wer ihn von seinen harten, reduzierten Technosets kennt, kann ihn sich nur schwer als Jazzpianisten vorstellen.

Benjamin Klock ist gebürtiger Berliner. Aufgewachsen ist er in Schöneberg, nach dem Mauerfall zog es ihn in den Osten, nach Friedrichshain. „Ich fand den Westteil der Stadt damals öde und langweilig“, sagt Klock. Das Nachtleben der Nachwendezeit faszinierte ihn um so mehr. In kleinen Läden entlang der Oranienburger Straße in Mitte, die nur für kurze Zeit existierten, legte er zum ersten Mal auf. Er habe nicht viel dafür getan, um DJ zu werden, es habe sich einfach ergeben, erzählt Klock. Auf einer Privatparty wurde er angesprochen, wenig später gab er sein Debüt vor 200 Leuten, für das er nur wenige Tage Vorbereitungszeit hatte. Auch wenn das Set technisch alles andere als perfekt war, wusste Klock, dass er seine Berufung gefunden hatte.

Dennoch führte er lange Zeit ein Doppelleben. In der Woche arbeitete er als Grafikdesigner für große Unternehmen wie Ebay oder Siemens. Ein kreativer Job zwar, aber eben doch: ein Bürojob. Mit festen Arbeitszeiten, festen Abläufen, festen Strukturen. Aus denen konnte er an den Wochenenden ausbrechen. Dann verwandelte sich der Grafikdesigner Ben Klock in den DJ Ben Klock: in den Star der Nacht, der hinter seinem Mischpult steht und mit seinen Platten die tanzende Menge im Griff hat wie ein Magier. Das komplette Gegenprogramm zu seinem geordneten Job. Sich zwischen diesen beiden Welten zu bewegen, habe er als besonders reizvoll empfunden, sagt Klock.

Aber irgendwann kam der Punkt, an dem er sich entscheiden musste: für das gesicherte bürgerliche Leben oder für die unbeständige Künstlerexistenz. Klock wählte Letztere und kündigte während der Produktion seines ersten Albums „One“ vor zwei Jahren den Job. Bereut hat er diese Entscheidung bislang nicht. Wahrscheinlich kam er einfach nicht dazu, weil ein Auflegetermin dem nächsten folgte und auch die Anfragen aus dem Ausland zunahmen.

Zur Recordrelease-Party der neuen Platte vor zwei Wochen kam sogar sein Vater. Zum ersten Mal überhaupt sah er seinen Sohn auflegen und war beeindruckt. Vom Berghain. Vom Publikum. Von der Musik. Ben Klock sagt, dass es ein unvergesslicher Abend gewesen sei.

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